forschung: das drama des prekären...
...heißt eine Dissertation, die mal nicht darüber meckert, dass «Prekariat» jene Klasse von Tänzern bezeichnet, die zu wenig Geld für ihre Arbeit an sich selbst erhält. Jochen Roller hat das ja mal wunderbar thematisiert, ihm wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Aber Katharina Pewny erweitert den Begriff, übersetzt ihn wörtlich mit «ungesichert», «verletzlich». So wird’s allgemeiner. Die Lage des Menschen ist nicht kontrollierbar – da ist sie bei Meg Stuart. Natürlich ist der Körper selbst «prekär» – trotz Airbag und Sicherheitsgurt versichert ihn nichts.
Auch Grenzüberschreitungen sind «prekär». Verletzt man Grenzen, wird man selbst verletzlicher, etwa wenn der Kunstchoreograf Tino Sehgal aus dem Tanz ausschert. Nicht nur Sparten-, auch Landesgrenzen zu überschreiten: alles verletzt. Kollektive: sind Verletzer der Theaterhierarchie. Es ist wie so oft: Man muss nur lange genug auf einen Begriff starren, schon ist alles «unsicher», alles prekär, das Prekariat selbst wird zum Weltthema. Ein Wunder, dass Pewny dafür nur 300 Seiten bemüht hat.
Katharina Pewny, «Das Drama des Prekären. Über die Wiederkehr der Ethik in Theater und Performance», transcript, Bielefeld 2011
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Tanz Juni 2011
Rubrik: medien, Seite 57
von Arnd Wesemann
...gebürtiger Schweizer, ist in den Ritterstand des Ordens von Oranien-Nassau erhoben worden. Der Leiter des Festivals «Holland Dance» und Ko-Rektor der Rotterdamer Dansacademie wurde so mit der höchsten niederländischen Auszeichnung bedacht. Vor 26 Jahren erwarb er die niederländische Staatsbürgerschaft, hat aber trotzdem bis 2010 das Schweizer Festival «Steps»...
Repräsentative Chefbüros protzen gern mit viel Glas, viel Chrom, viel Weiß und edel furniertem Mobiliar. Nichts davon im Dachgeschoss des Pariser Palais Garnier, auf dem Olymp der Tanzwelt sozusagen, dort, wo «Gott» persönlich logiert. So nennen die Tänzer des Opernballetts halb ehrfürchtig, halb spaßig ihre Prinzipalin, Brigitte Lefèvre, deren Hauptquartier ein...
Am 6. Mai ernannte Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterrand die einzige Primaballerina assoluta seines Landes zum «Grand Officier de la Légion d’Honneur». Es ist das erste Mal, dass der Tanz den zweithöchsten Verdienstorden Frankreichs in Empfang nimmt. An Künstler wird er nur selten verliehen, meistens geht er an Kriegshelden oder bleibt innerhalb der...
