faustin linyekula

Es gibt diese gesellschaftlichen Verpflichtungen, die man als Choreograf aus Kongo nun mal hat, aber kann man dort ohne Politik denn gar nicht tanzen?

Tanz - Logo

Der unangenehmste Teil eines Schultags war für Faustin Linyekula ­immer die halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn, in der sie antreten ­mussten, um Mobutu Sese Seko zu huldigen. Linyekula hasste die Lieder, die er für den korrupten Diktator singen musste. Als Kind schien ihm, er verabscheute schon deshalb den Mann, der den Kongo brutal beherrschte. Auch wenn von Kindesbeinen an etwas falsch lief in seinem Land, stimmte Linyekula in die staatlich verordneten Lobeshymnen ein. Heute spricht der Choreograf über seine zerrüttete Heimat. Denn Kunst und Trauma liegen hier sehr nah beieinander.



Seine großen Augen funkeln, und die Stirn des 37-Jährigen legt sich in Falten, als er, fern vom Moloch Kinshasa, in Johannesburg vom bürgerkriegsgeplagten Osten des Landes erzählt, von Korruption, Armut und Gewalt. Linyekula redet viel – bei Publikumsgesprächen, Podiumsdiskussionen und in Interviews. Auch seine Stücke behandeln diese Themen. Er kritisiert und verteidigt seine Heimat, macht sie im Westen bekannt und regt an zu einem differenzierten Blick auf ein Land im Post-Bürgerkriegsvakuum. Nur eins tut er nicht: seine Arbeit bloß in den Dienst der politischen Botschaft zu stellen. Linyekula will ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2011
Rubrik: menschen, Seite 22
von Elisabeth Wellershaus

Weitere Beiträge
leipzig: das beste deutsche tanzsolo

Im Stil eines Showmasters schmettert René Reinhardt seinen Jingle: «Die ‹euro-scene Leipzig› präsentiert zum zehnten Mal den Wettbewerb ‹Das beste deutsche Tanzsolo›!». Und springt hinein ins Licht der Scheinwerfer, auf einen runden Holztisch von sieben Meter Durchmesser, umringt vom Publikum im Ring-Café. Die Zuschauer sind mit Getränken versorgt. So entspricht...

omega and the deer

Norwegen ist ja so reich, und Öl noch immer der stärkste Motor der Welt. Es kommt nur darauf an, wohin man damit fährt. Auch Griechen (Onassis) und Portugiesen (Gulbenkian) wurden mit Öl reich. Bis beide Händler ihre Läden dichtmachten. In den Emiraten werden dagegen noch immer teure Autos gekauft, Golfklubs gegründet und respektierliche shopping malls...

ein wettkampf

ist kein Wettbewerb. Ein Wettkampf ist ein Kampf, auf den man Wetten abschließen kann. Die Regeln sind sonnenklar. Redet man dagegen vom Wettbewerb, sagt ein Politiker das gern so, als hinge das Überleben der ganzen Gesellschaft daran. Er warnt vor einer drohenden Verzerrung des Wettbewerbs. Der Wettbewerb an sich sei etwas Gutes, es gehe etwa um Chancengleichheit....