Elastisch

Senga Nengudis betanzbare Fasergebilde

Tanz - Logo

Eingespannt in linienförmige Gebilde und mitten in einem energetischen Feld, so agiert die Performerin in schwarzem Tanztrikot und schwarzer Strumpfhose. Das, woran sie gefesselt ist, sind ebenfalls Strumpfhosen. Neun, zehn Befestigungspunkte und die Elastizität des Materials bestimmen den Radius ihrer Bewegungsmöglichkeiten. «Die Skulptur ist im Wortsinne eine Tanzpartnerin», hat Senga Nengudi 2016 in einem Interview erklärt. Seit 1975 hat die in Los Angeles geborene, zu den herausragenden Vertreterinnen der Bildenden Gegenwartskunst zählende Afroamerikanerin unter dem Titel «R.S.V.P.

» – für «Répondez, s’il vous plaît» – mehrfach Installationen entwickelt, bei denen Nylons an der Wand fixiert und am Boden verankert sind: Schlaff oder straff, verdreht oder verknotet, symbolisieren sie die Elastizität des Körpers; mit Sand befüllt, werden sie zu Hoden und Brüsten.   

Nengudi hat diese Werke zunächst selbst im Atelier aktiviert, danach bei Ausstellungseröffnungen gemeinsam mit der Kollegin Maren Hassinger, einer langjährigen Freundin. Hassinger ist auch die Performerin der kraftvoll und achtsam austarierten Geometrien in den Foto-serien zu den «R.S.V.P.»-Performances. Ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2019
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Thomas Betz

Weitere Beiträge
Chemnitz: Robert Bondara «Winterreise»

Gutes Zeichen, wenn nach dem letzten Ton nicht sofort dröhnender Applaus in die Stille donnert. So geschehen bei der Chemnitzer Uraufführung des Tanzstückes «Winterreise» von Robert Bondara zum Lieder-Zyklus von Franz Schubert. Schon wenn im zunächst leeren Bühnenraum von Hans Winkler bedrohliche Wände aus Eis herunterfahren und sich die Pianistin Anna Beinhauer an...

Charleroi on tour: Boris Charmatz «Infini»

Boris Charmatz hat die Leitung des Centre Chorégraphique National in Rennes abgegeben, für ein anderes will er sich so schnell nicht bewerben. Ihn interessieren Institutionen neuer Art. Eine nationale französische Tanzkompanie fände er spannend, dann wären auch monumentalere Projekte möglich. Das sagte er bei «Montpellier Danse», wo sein neues Stück «infini»...

Altehrwürdig

Man vergisst allzu gern, dass die lebendige Tanzszene Großbritanniens noch relativ jung ist. Auch wenn das Romantische Ballett ab den 1840er-Jahren in London eine Blütezeit erlebte – vor allem durch die Ballette Jules Perrots (einschließlich des berühmten, für die Starballerinen seiner Zeit geschaffenen «Pas de quatre») – hielt diese Hoch-Zeit nicht einmal zwei...