eine landkarte

zu pina bausch

Tanz - Logo

Auch die Theaterwissenschaft kennt den Wettbewerb: Wer kann am längsten über die 50-minütige Choreografie «Café Müller» von Pina Bausch gescheit formulieren? 70 Seiten sind der aktuelle Rekord, aufgestellt von Julia Stenzel in ihrer Dissertation «Der Körper als Kartograph?». Zu Recht zieht sie gegen die Metaphernseligkeit anderer Autoren los, die beim Schreiben über Bewegung allzu gern das Konkrete (heißt bei ihr «Concreta») und das Gemeinte (heißt bei ihr «Constructa») verwechseln. Zum Beispiel: «Der (kon­krete) Weg ist das (gemeinte) Ziel.

» Ihr Lieblingsgegner ist der Bausch-Biograf Norbert Servos, dessen sprachliche Kurzschlüsse sie mit dem schweren Geschütz diverser «Mapping-», also Landkarten- und «Metaphern»-Theorien erledigt. Und versucht, es selbst besser zu machen: mit konstruktivistischen Begriffen wie «Körper», «Behälter», «Beziehung», «Weg». Prompt liest sich der Text über Bauschs Stück von 1978 so konzep­tuell, als wär’s von ­heute – und nicht mal schlecht. Nur klüger wird bei aller Genauigkeit keiner. Dafür hat die Autorin durchaus Verständnis. Ihr Versuch endet mit den Worten von Jean Paul: «Jetzt schnarcht er, der Leser.» Erschienen im epodium Verlag, München 2010.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2010
Rubrik: medien/bücher, Seite 60
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
tanzforschung

 

Titellos, namenlose Akteure, kein Autor. Das Publikum sucht mit Taschenlampen im Dunkeln. Beide Autorinnen beziehen sich auf dieselbe Theatererfahrung, den Abend «Ohne Titel» im Berliner Hebbel am Ufer, der sie nachhaltig irritierte. Sowohl Pirkko Husemann, Tanzkuratorin am Hebbel am Ufer, als auch Susanne Foellmer, Mitarbeiterin am Institut für...

regina baumgart

Sie wurden an den Württember­gischen Staatstheatern in Stuttgart ­ausgebildet zur Zeit von John Cranko, kehrten wegen einer Verletzung aufs Gymnasium zurück und machten Abitur, bevor Sie Tanzpädagogik in München studierten. Woher kam dann die Neugier auf amerikanischen Tanz?

Durch einen Mitschüler wurde ich auf Merce Cunningham aufmerksam. Und in München traf ich...

en face

Ein Ballerinenfilm. Nur ihre Namen tun hier nichts zur Sache. Wer hier wirklich auf ein «Rendezvous mit einer Ballerina» hofft, ist allerdings selbst schuld. Jackie Julie (wenn die Tänzerin wirklich so heißt) und Betty Summer (wohl eher auch ein Künstlername) sind unserer Branche unbekannt. Wohl deshalb geben sie sich meist bedeckt, solange sie sich an der Stange...