Der Lehrer: Andrew Morrish
Mit viel Erfahrung als Solist in Australien und zuletzt mit 62 Jahren in der Serie «Unter Uns» von Silke Z. auf der Bühne, darf man fragen: Was ist ein guter Performer?
Das Geheimnis guter Tänzer ist die Qualität ihrer Spannung (tension), die dazu dient, Aufmerksamkeit (attention) zu erzeugen. Es ist nicht bloß die Virtuosität einer Bewegung oder die Art, wie Tänzer einen Charakter darstellen. Was mich in einer Aufführung bannt, ist die Aufmerksamkeit der Tänzer gegenüber ihrer eigenen Situation auf der Bühne, ihr Bühnen-Engagement im ganz wörtlichen Sinn.
Sie müssen wirklich da sein. Wenn ich Solo-Improvisation unterrichte, dann nur zu diesem Zweck: damit sie sich auf der Bühne durchsetzen, und zwar völlig unbesehen von all ihren sonst noch erlernten Fähigkeiten.
Wie unterrichtet man Aufmerksamkeit?
Indem man den Leuten erlaubt, mit ihrer eigenen, ganz persönlichen Haltung zu spielen. Ich lenke die Aufmerksamkeit auf ihre Aufmerksamkeit. Das ist weniger eine philosophische, vielmehr eine individuelle Frage, wie sehr ein Tänzer die Aufmerksamkeit auf die eigene Spannung zulässt. Diese Spannung ist die Quelle. Ich frage: Was spürst du? Nervosität, Freude, traust du dir selber? ...
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Tanz April 2014
Rubrik: praxis, Seite 74
von Arnd Wesemann
«Wie tanzt man Gustav Mahler, Herr Neumeier?», fragte «Die Welt» anlässlich des 100. Todestags des Komponisten 2011. Der Hamburger Choreograf, der sich seit Jahren mit Mahler beschäftigt – er schuf vor fast 40 Jahren ein Ballett zu dessen 3. Sinfonie, das bis heute zum Repertoire des Hamburg Balletts gehört –, gibt darauf diese Antwort: indem man «dem Ruf der...
ganz gewaltig – nicht nur auf die Krim. Ihre Renitenz ist besonders gut zu studieren auf einem kurzen Video aus dem Jahr 2007, das gerade wieder durchs Internet strömt. Es zeigt den britischen Choreografen Christopher Wheeldon (Seite 18), der am Moskauer Bolshoi den «Hamlet» zu choreografieren versucht. Nikolai Tsiskaridze soll die Titelrolle tanzen und genießt es,...
Über allem schwebt ein kalter, silbriger Mond. Wenn eine Gruppe von Menschen in verschiedenen Posen und Konstellationen Momente aus dem eigenen Dasein darstellt, wenn Kinderwagen über die Bühne quietschen und eine junge Frau ihren toten Geliebten betrauert. Unter dem großen, sich langsam drehenden Trabanten tanzt ein Dandy in weißem Anzug, der die Menge dirigiert...
