Der Choreo-Biograf: Rachid Ouramdane
Superstars von heute sind medial geklonte Unterhaltungs-Avatare, die in ein noch reales Second Life vorstoßen und dafür ihre Persönlichkeit aus dem ersten Leben an der Garderobe abgeben. Rachid Ouramdane dreht das Prinzip einfach um. Die tiefgründigsten und verletzlichsten Persönlichkeiten am Lyon Opéra Ballet ernennt er zu seinen Superstars. Ein Tänzer ist ein Tänzer ist ein Tänzer… und doch auch ein Mensch, der seine Geschichte hat. Der Privatmensch vor und neben der Karriere.
Was projiziert er aus diesem Leben auf die Bühne, wenn er sich dort so bewegen darf, wie er gewachsen ist? Hinter jedem Tänzer steckt eine Person, eine Kindheit, ein Herkunftsland. Und woher stammst du?
Das ist die Frage, die sich alle Einwandererkinder anhören müssen, selbst wenn sie hier geboren sind. Ein Grund, warum sich Ouramdane, Sohn algerischer Eltern, für die Lebensgeschichten der Tänzer interessierte, denen er im Ensemble des Opernballett in Lyon begegnete. Einer erlebte die Perestroika in Russland, der andere Solidarnósc in Polen, ein anderer revolutionäre Attitüden in Guatemala. Das Spiel der Identität von Ballerinen spielten schon einige mit großem Erfolg, wie Jérôme Bel mit Véronique Doisneau ...
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Der Goldfisch im Glas. Die Geste als Sprache. Das Wort als Klang. Der Körper im Raum – ausgestellt in Pose, Bewegung, Tanz. Seine Enthüllung, Maskierung, Deformation oder Vervielfältigung im Film. So zitieren sie ironisch aus dem Performance-Einmaleins, die ersten Abgänger von Gabriele Kleins MA-Studiengang Performance Studies an der Universität Hamburg bei der...
Party talk stays always the same», schrieb die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein. Sie hat Recht. Übers Wetter redet man schon immer, wenn man Wichtigeres nicht sagen möchte. Und gern über Abwesende, wobei gilt: Der oder die Abwesende ist nicht persönlich gemeint; man unterhält sich über Pina Bausch nur (S. 26) um auszuloten, was man gemeinsam denkt....
Im Gartencafé. Mir gegenüber am Tisch sehe ich Rippen, tote Knochen. Der arme Gartenstuhl mit ausgebleichten Holzlatten, ein Gerüst, das weiter unten praktisch und fast anmutig seine Beine kreuzt. Der Platz gegenüber ist leer. «Der Tod ist mitten unter uns», fällt mir unwillkürlich ein, ein Satz, unscharf wie der ganze Begriff vom «Totentanz». Mit den Jahrhunderten...
