Das andere Schwarz

Système Castafiore: «φ –{PROGRAM}» in Saint-Quentin-en-Yvelines

Tanz - Logo

Ein Titel, der sich nur mit Sonderzeichen schreiben lässt als ­Beweis für den Willen zum Futurismus. Ja, das Markenzeichen von Système Castafiore sind entrückte, groteske Fantasy-­Welten.  
Ein Ball am Hof, eine Burg. Körper, die reihenweise in den Abgrund stürzen, ein Roboter in Käferform, ein König, der mit einem Schlauch beatmet wird. Sexspiele aufgeblasener Aliens, eine Ballerina im Tutu, Figuren, die mit Getöse von der Decke fallen. Ritter, ein würgender Geheimagent, die Beisetzung des Diktators.

Marcia Barcellos und Karl Biscuit erwecken zu rätselhaftem Leben, was Emil Prokop in den Skizzen und Notizen zu seiner geplanten Bearbeitung von Alistair Edenshaws «The Ballad Of The Réso­nian People» aus dem 16. Jahrhundert anriss. In diffusen und doch prägnanten Bildern, manche kürzer als Zirkusnummern, evozieren sie wie einen düsteren Albtraum das von Edenshaw ersonnene Komplott am Hof von Gravbeck III. «Outrenoir» nennen sie ihre Bühnenfassung: jenseits der Dunkelheit. Und jenseits aller Farben. Die Schemen der Figuren sind weder grau noch schwarz noch braun. Sie sind, waren, werden sein. Jede Geste, jede Figur scheint multiple Zeiten und Kulturen zu beinhalten.
Die Zukunft ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2005
Rubrik: On Stage, Seite 44
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Graz

Graz war 2003 Kulturhauptstadt. Nun steht die zweitgrößte Stadt Österreichs vor der Pleite. Trotzdem soll ein Tanzhaus entstehen. Ungeachtet eines Schuldenbergs von rund 700 Millionen Euro. Aber das lokale Tanznetz Steiermark ist optimistisch. Das Tanz-Haus wird auch eher eine Tanz-Etage, 320 qm groß, in einem Palais mit zwei Ballettsälen und zwei Studios sein. Das...

Bühne besetzt!

Ein schwar­zes Loch gähnt auf der Bühne der Halle G des Wiener Tanzquartiers, eine Black Box als Überbleibsel des Stücks «Quando l’uomo principale è una donna» von Jan Fabre, in dem die Tänzerin Lisbeth Gruwez sich wenige Tage zuvor wie eine heiß gelaufene Ölsardine in kaltgepresster Olivenschmiere gewälzt hat. Gruwez ist bereits weiter nach Barcelona gereist....

Wie schön!

Für den Außenstehenden bedeutet Tanz alles Mögliche. Er denkt ihn sich klassisch oder sportlich, feierlich oder artistisch, künstlerisch oder karnevalesk – Tanz gibt es im öffentlichen Bewusstsein nur in solchen Bruchstücken. Anders als in der Literatur, wo sich verschiedene Genres unter dem Dach von Buch und Verlag in Buchläden, Bibliotheken und Internet gar ...