bonn: Alain Platel u.a. «Gardenia»

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Ein kollektives Coming-out von solcher Kraft hatte man in Avignon noch nicht gesehen. Nach diskreten Vorstellungen in der belgischen Heimat ließen Alain Platel und der Regisseur Franck Van Laecke ihre Bombe in der Provence so richtig knallen. Da gibt Vanessa Van Durme die Zeremonienmeisterin in ihrem Kabarett der verflossenen Träume und bringt eine Riege seriöser älterer Herren in Frauenkleidern zum Singen. Der Zuschauer läuft danach verwirrt durch die Straßen, denkt an jeder Ecke, hinter welchem Krawattenträger sich wohl eine verkappte Dame verbirgt.

«Gardenia» ist ein feixendes Lehrstück über die Gewalt der Norm. Wie Statuen stellt Platel sechs Auswüchse langweiligster Männlichkeit auf ein schräg geneigtes Tanzparkett. Mit tiefer, rauher Stimme singt Vanessa Van Durme «Over the Rainbow» und verpasst Judy Garlands Welt­erfolg eine Geschlechtsumwandlung. Dann fordert sie das Publikum auf, sich zu erheben für eine Schweigeminute. Viele ihrer Freunde, viele Künstler, hätten sie verlassen, seit die sechs Herren zum letzten Mal auf einer Bühne standen.

Auf das Zeremoniale folgt reine Vitalität. Da kreuzen sie übers Parkett, entledigen sich ihrer Schuhe, Hosen, Hemden, darunter kommen ...

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Tanz Oktober 2010
Rubrik: kalender, Seite 42
von Thomas Hahn

Vergriffen
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