Blick-Einstellung
Die Fotografie kommt dem Tanz deshalb besonders nahe, weil beide ein eindrückliches Verhältnis zur Zeit unterhalten: zu ihrem Vergehen und damit auch zum Tod. Beide Kunstformen bezeugen eine Anwesenheit von Körpern. Die Fotografie, indem sie ihre Zeitlichkeit medial übertrumpft. Die Tanzkunst, indem sie die transformierende Zone eines steten Übergangs gestaltet. Treffen beide aufeinander, so wird der herausgestellte Zeitmoment quasi zu einem Kontaktstreifen, bezeugt, dass die Körper tatsächlich hier waren. Aber gerade dieser Zeitmoment verstellt auch deren Erscheinung: augenblicklich.
__________die herausforderung
Das Aufzeichnen von Bewegungen bildet für die Fotografie schon in den allerersten Jahrzehnten ihrer Geschichte einen wichtigen medialen, technischen und ästhetischen Kulminationspunkt. Bewegte und sich bewegende Körper konfrontieren den Fotografen mit der Notwendigkeit, in den dynamischen Bewegungsablauf ein Blickfenster von herausgehobener Zeitintensität zu legen. Das bewegende Moment des bewegten Körper soll erkennbar werden. Fotogeschichtlich gelingt der Momentfotografie von Eadweard J. Muybridge (1830–1904) dabei jener Entwicklungsschritt, mit dem die ästhetischen ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Geschichte, Seite 30
von Sabine Huschka
Hohe Wangenknochen, geheimnisvolle Augen, eine fein geschnittene Adlernase: Andrej Uspenski ist ein attraktiver Mann. Auf der Bühne gibt der muskulöse und sprungstarke Tänzer des Royal Ballet in London eine durch und durch maskuline Erscheinung ab. Doch was Uspenski als Tänzer vor allem anderen auszeichnet, sind seine naturgegebene Musikalität und sein intuitives...
_______delavallet bidiefono
«In Brazzaville gehört der Tod zum Alltag der Menschen», sagt DeLaVallet Bidiefono. Bürgerkrieg, gesundheitliche Risiken, plötzliche, unerklärliche Explosionen … «Man lebt im Rhythmus der Totenwachen; es wäre unhöflich, jemanden, der um einen Angehörigen trauert, nach der Todesursache zu fragen.» Und was kann der zeitgenössische Tanz da...
Anne Teresa De Keersmaeker, Herman Sorgeloos, wie kamen Sie beide zusammen?
Herman Sorgeloos: Alles begann mit dem «Kaaitheater Festival» in Brüssel und der Premiere von «Rosas danst Rosas» im Théâtre de la balsamine. Der damalige Festivalleiter Hugo De Greef schlug mich Anne als Fotograf vor, weil er meine Fotos von Jan Decortes «Mauser/Hamletmachine» kannte und...
