Basel: Richard Wherlock «Tod in Venedig»
Wenn Gustav von Aschenbach auf Tadzio schaut, tut sich ihm eine Welt auf, in der gestern, heute und morgen eins werden, das Vergängliche zu Schönheit wird und Schönheit zu Schrecken. Thomas Manns Novelle «Der Tod in Venedig» ist, wie ihr Autor vorschlug, als «Tragödie einer Entwürdigung» zu lesen, aber auch als Text über den Blick, über Wunsch und Wahrnehmung. Wir sehen Venedig durch die Augen Gustavs von Aschenbach, und hier setzt Richard Wherlock an.
Anders als bei John Neumeier, der Thomas Manns Schriftsteller in seiner Bearbeitung des Stoffes zu einem Choreografen machte, ist von Aschenbach in Wherlocks «Tod in Venedig» ein Fotograf, der alles und jedes ins Bild zu bannen sucht – und nichts auf die Spur kommt, weil er den Bildern ringsum erliegt.
Bruce French hat eine nach innen geschwungene Struktur auf die Bühne gestellt, die wie das Innere einer Muschel erscheint und die Video-Landschaften von Tabea Rothfuchs wiedergibt. So schauen wir, durch riesige Fenster eines Hotels oder eines Zuges, in eine Außenwelt, die zugleich die Innenwelt der Protagonisten spiegelt. Im Gefühlsstrudel schwimmen Fischschwärme über das Glas, der Regen pocht zur Tristesse des Herzens an die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2018
Rubrik: Kritik 6/18, Seite 48
von Lilo Weber
Du meine Güte, wie konnte das bloß passieren? Wie konnte der Herr Papa bloß an diese neue Gattin geraten? Riesengroß, schwarz, mit muskulösen Beinen unterm gerüschten Minirock und launisch wie das Aprilwetter – eine Sekunde zärtlich, die nächste brutal. Cinderellas Stiefmutter ist eine kerlige Carmen. Genauer: Sie ist ein Kerl. Der größte Tänzer der Kompanie, der...
Raum ist in der kleinsten Hütte. Aber so klein ist die SCALA am Ende gar nicht, wo nicht wenige Veranstaltungen des Festivals «PODIUM Esslingen» stattfinden. Dass es sich dabei um ein ehemaliges Kino handelt, ist nicht zu übersehen. Die Wände sind mit roter Seide bespannt. Die Seitenbeleuchtung stammt noch aus früheren Zeiten. Im Treppenaufgang lassen...
Sie waren Rivalinnen, beide von Fotografen geadelt, beide von Paparazzi gejagt: die Präsidentengattin Jackie Kennedy und das Präsidentenliebchen Marilyn Monroe. Ganz schön gewagt, dass Hannovers Ballettchef Jörg Mannes nun ausgerechnet die Superblondine aus Hollywood zur Tanzgöttin befördern will und dabei auch ihre Gegenspielerin ins Rampenlicht rückt. Allein: Das...
