außer sich
Wie Roboter auf dem Kriegspfad bewegen sich die Performer in «netBody» des japanischen Choreografen Suguro Goto. In ihrem panzerartigen schwarzen powered suit sind sie ihrer Muskeln und Gelenke nicht Herr. Virtuelle Avatare steuern ihre Regungen. Die Anzüge sind motorisiert und zwingen den Tänzern ruckartige Gesten und Bewegungen auf. Steif um die Gürtellinie, den Kopf abrupt drehend, sind sie weder im Aussehen noch in ihren Bewegungen als Menschen zu erkennen.
Wenn sie den Rumpf beugen, erinnert es eher an Kampfkunst, mehr noch an Marsmenschen, Astronauten oder US-Soldaten im modernen Krieg. Goto definiert das Gestänge, in das er die Performer zwängt, als ein Exo-Skelett. Nicht die Wirbelsäule, ein am Körper außen appliziertes Gestänge bewegt sie. Der Körper ist fest in die Prothese integriert und ihr untergeordnet. Das Kostüm, wenn man es noch so nennen will, besteht aus einem selbstaktiven Korsett.
Mag das auch futuristisch anmuten, hier übernimmt das Kostüm die künstlerische Vorherrschaft, steht also nicht länger im Dienst einer Figur, sondern hat die konkrete Funktion, den Körper über sich selbst hinaus zu verlängern. Das Kostüm als solches wird zur tanzenden Figur. Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2011
Rubrik: traditionen, Seite 48
von Thomas Hahn
«Das Zeitalter der Ichlinge geht zu Ende», prophezeit Horst Opaschowski in der Wertewandel-Studie der Stiftung für Zukunftsfragen. Der Grund: «Die Krisenerfahrung verändert die Werteskala der Menschen – das Ich braucht das Wir. Die Sehnsucht nach Halt, nach sozialer Geborgenheit und menschlicher Wärme wächst.»
Mag sein. Doch bevor das Wir wirklich Wert hat, muss...
...hatte zuletzt durch das Stück «Lutz Förster» von Jérôme Bel enorm Furore gemacht. Nun hat Bel, nach einem Jahr, seinen Namen zurückgezogen. Bel ließ verlauten, das Stück passe nicht mehr zu seinem «kritischen Anspruch». Es gehört nun Förster allein.
...gewinnt mit ihrer Choreografie «lovecircle» den ersten Preis des Internet-Tanzfestivals «SidebySide-net». Hier wird online über eingereichte Arbeiten abgestimmt. Ohne Jury. Das Publikum steht hinter Laura Keil. Das ist das Beste, was einer 25-jährigen Berlinerin passieren kann. Vermittelnde «Experten» werden gar nicht gefragt; das «Volk» liegt ihr auch so zu...
