Aufforderung zum Kampf
Ein Ballett als Kampfansage? Fünfhundert, so liest man tags drauf in der Zeitung, scheren aus der Gegendemo aus und spurten durch die Innenstadt. Ihr Ziel: der Bahnhof, Treffpunkt der Neonazis, die sich an diesem Samstag zum Zug durch das Stadtzentrum versammelt haben. Von mindestens ebenso vielen Polizisten erwartet, fliegen Flaschen, jede Menge Steine – auch Schneebälle. Container sollen angezündet worden sein. Von ein paar gesplitterten Scheiben berichtet die Presse. Noch Stunden später gleicht Kiel einer belagerten, gar einer entvölkerten Stadt.
Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Manche haben Schwarze Sheriffs aufgestellt. Wer am späten Nachmittag mit der Bahn kommt, die bereits die ersten Neonazis wieder abtransportiert, sieht sich kontrolliert und muss erst durch ein Spalier von Polizisten, die sich hinter gläsernen Schilden verschanzt haben. Der Gang zum Theater gerät so nicht gerade zum Spießrutenlaufen, hat aber etwas Gespenstisches. Obschon eingemummt, beginnt man zu frösteln.
«Fight!» heißt das Ballett, das diesen Abend in Kiel zu sehen ist. Das Theater hält seine Premierenplakatierung bis zum späten Nachmittag zurück. Schließlich soll der Titel nicht unbedingt ...
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