53° N völker wandern
«Kein schöner Land» heißt es im Lied, und alle singen. Doch die Frage, die sich die Ensemblemitglieder der Deutschen Tanzkompanie im «Ersten Wanderbild» stellen, lautet eigentlich ganz anders: «Woher kommen wir?» Schier endlos ist der Zug, sobald sich nach einem Prolog der Vorhang öffnet, und jeder trägt sein Fähnlein vor sich her, wie bei den Olympischen Spielen seine Herkunft, sein Schicksal demonstrierend. Ein symbolkräftiger Akt, dem an diesem Abend noch weitere folgen werden.
«53° N» nennt Lars Scheibner scheinbar eindeutig das «Tanzfest», den Ort seiner Entstehung positionierend. Scheinbar widersprüchlich dazu der Untertitel: «Völker wandern».
Doch genau diesen Widerspruch zwischen Bodenhaftung und Migration thematisiert Scheibner in Zusammenarbeit mit Oliver Hohlfeld, seinem Librettisten und Dramaturgen. Bildhaft wird er gleich in einem ers-ten, eindrucksvollen Tableau. Sechs Tänzer sind da zu sehen. Wie festgewachsen wirken sie in ihren Stiefeln, die unverrückbar auf dem kleinen Podest haften. Blockhaft sich spreizend, dabei immer wieder mit den Köpfen zuckend, lassen sie an eine Schar aufgescheuchter Hähne denken. Und doch sind es Menschen, die sich nicht zu befreien ...
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Tanz Mai 2016
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Hartmut Regitz
Ein Lichtstrahl rührt durchs Dunkel, dreht Runde um Runde, endlos und langsam wie der Zeiger einer Himmelsuhr. Schön ist das anzusehen. Doch Obacht: In der Poesie dieser kreisenden Bewegung lauert Gefahr. Die Bühnenbildnerin Kimie Nakano hat den bewegten Lichtstrahl in ein mehrere Meter langes Rohr verpackt. Wer ihm zu nahe kommt, kriegt blaue Flecken. Oder wird...
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Das musste ja früher oder später passieren. Mikhail Baryshnikov, unbestrittener Superstar unter den Balletttänzern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, trifft auf Vaslav Nijinsky, Superstar aus dessen erster Hälfte. Da verschmilzt ein lebender Altmeister mit einer glamourösen Skandallegende: Ikone der Ballets russes, dann Opfer der Schizophrenie, in Bildern und...
