Kolumbianischer Deal
Frontal-Angriff der jugendlichen Performer. Die 16 Tänzer aus Kolumbien drängen den Regisseur Nicolas Stemann von der Bühne weg, erobern sich skrupellos die Rampe. Seine Erklärungen zum Probenzustand der Aufführung gehen unter in der wütenden Beschimpfung des Publikums. Die Europäer seien die größten Drogenabnehmer, trügen die Schuld an der kolumbianischen Misere. Drohend starren die Spieler den Zuschauern in die Augen – und wenden sich ab.
Ein Schreihals kehrt plötzlich um, rückt vertraulich zwinkernd der ersten Reihe auf den Pelz, offeriert mit serviler Verschlagenheit des Dealers: «Braucht ihr was?»
Was wie plumper Agit-Prop in der mit Elektroplatten und kochendem Wasser künstlich aufgeheizten schweißtreibenden Tropenatmosphäre der kleinsten Kampnagelhalle in Hamburg beginnt, entwickelt sich Szene für Szene zur subtilen, packenden Tanz-Theater-Collage, die jede weitere Dokumentation über das lateinamerikanische Drogenmekka erledigt. In «Una muestra» – beim Laokoon-Festival in europäischer Erstaufführung bedauerlicherweise nur ein einziges Mal präsentiert – erklärt Stemann die «Arbeitsprobe» zum inszenatorisch gültigen Prinzip. Für ihn selbst: Denn er arbeitete zum ersten Mal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nach der Befreiung der Frau ging die Klagefrage los, warum die Frau überhaupt unterdrückt worden war. Der Verdacht fiel auf den Unterschied von Mann und Frau. Also wurden alle etwas gleicher, und vor lauter Gleichheit war die Freiheit futsch. Weg mit der freien Liebe, dem freien Theater, weg mit der freien Ökonomie. Constanza Macras und Lisi Estaras wurden in...
Er hat mehr Einfluss auf die Tanzszene, als ihm bewusst ist. Erwin Wurm, Österreicher und Künstler. 1991 zog er sich dreizehn Pullover übereinander an. Sechs Jahre später entdeckte Jérôme Bel, dass dieses Übereinanderschichten von T-Shirts in «Shirtologie» auch Tanz sein kann – so, wie Erwin Wurm diesen «Prozess» des An- und Ausziehens eine Skulptur nannte. 1992...
Ea Sola, sie kündigten vor vier Jahren Ihren Abschied vom Tanz an und kehrten Europa den Rücken. Heute melden Sie sich zurück. Wichtige Personen wiesen mich darauf hin, dass es ein Fehler sei, «Requiem» zu meinem letzten Stück zu erklären. Die Warner hatten Recht. Man wird so schnell aus dem Kreis der Eingeweihten verstoßen....
