bühne frei für
Ein denkwürdiger Moment: Als sich 2001 im Londoner Royal Opera House der Vorhang nach dem ersten Akt senkt – es ist Alina Cojocarus Debüt als Giselle an der Seite ihres Partners Johan Kobborg –, blicke ich mich im Saal um und sehe etwas, das ich schon viele Jahre nicht mehr erlebt habe: Zuschauer, die sich die tränennassen Gesichter trocknen.
Alinas Wahnsinns-Szene, im perfekten romantischen Stil getanzt, war erschütternd gewesen, ein veritables Theaterereignis für ein Publikum, das solch rückhaltlose Hingabe einer Ballerina vielleicht noch nie erlebt hatte.
Margot Fonteyn hatte mit derselben Partie in den 1960er-Jahren eine ähnliche Wirkung erzielt, doch das lag lange zurück. Seit Fonteyns Rückzug von der Ballettbühne habe ich keine Tänzerin gesehen, die Giselle mit derart glühender Intensität verkörpert hat. Zerbrechlich und unschuldig wirkte die junge Rumänin, körperlich für die Rolle prädestiniert, und doch gründete ihre Wirkungsmacht nicht in makelloser Technik oder physischem Ideal. Was das Publikum die Fassung verlieren ließ, war: ihre emotionale Wahrhaftigkeit.
Ich habe Alina Cojocaru also schon viele Jahre bewundert und deshalb die Gelegenheit ergriffen, sie unlängst nach ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: Gefühle, Affekte, Emotionen, Seite 37
von Mike Dixon
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