revolution!
Kuratoren, Galeristen, Kunstprofessoren winken routiniert ab, sobald jemand mit der Frage aufschlägt: Wo bitte geht‘s zur Avantgarde? Selbst Originalität gilt heute als problematisches Unterfangen, war doch … alles schon mal da. Tanzkreative hören über ihr eigenes Schaffen denn auch häufig nichts lieber als: «Das sieht nach Billy aus.
» Was so viel bedeutet wie: Du bist ein cleverer Kopist unseres erlauchten Revoluzzer-Königs, des fabelhaften William Forsythe!
In der Tat hat seit Forsythes serieller Ballett-Dekonstruktion eigentlich niemand mehr radikal Bahnbrechendes zustande gebracht. Der Amerikaner steht recht einsam auf dem Fortschrittspodest des ausgehenden 20. Jahrhunderts – an dessen Anfang Serge Diaghilew, der Impresario der Ballets russes, gewissermaßen im Alleingang den Weg in die Moderne ebnete. Wird jedenfalls immer behauptet. Aber stimmt es auch?
Eine Ausstellung im Victoria and Albert Museum in London, das eine riesige historische Kostümsammlung besitzt und daraus bereits das Ballets-russes-Zentenar 2010 glamourös bestückte, schickt sich derzeit an, die Legende ein Stück weit zu entzaubern. Demnach reiht sich Diaghilews Versuch, Tanz, Musik und Dekor zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2014
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Dorion Weickmann
Ein Mann im Umbruch: Benjamin Millepied schlüpft Stück für Stück in seine neue Rolle als Directeur de la danse am Pariser Opernballett, wo er den Staffelstab von Brigitte Lefèvre übernimmt, die ihn zwei Jahrzehnte trug. Ende September stellte er auf der «Biennale de la danse» in Lyon «Hearts and Heroes» vor, die bis auf Weiteres letzte Kreation für sein vor zwei...
Martin Schläpfer blickt verdrießlich auf seine Füße. Er probiert die komplizierte Schrittfolge aus verketteten Bourrées und Échappés erneut. «Ich kann das noch nicht», sagt er, und schleudert das rechte Bein nach vorne. Halb belustigt, halb verärgert streicht er sich durchs Haar. Wie ein Schuljunge wirkt der Chef des Ballett am Rhein im Probensaal in...
screening_________
gardenia
war 2010 das Erfolgsstück der belgischen les ballets C de la B. Mit einem transsexuellen Star, der damals noch keiner war: Vanessa van Durme. Nun, 200 Vorstellungen in 25 Ländern später, wurde aus dem Tanzabend von Alain Platel und Frank Van Laecke (tanz 10/10) ein Film – keine Bühnenadaption, sondern ein Blick ins echte Leben der sechs...
