potsdam: Brandstätter, Gerbes: «Festina Lente»

Tanz - Logo

Es sind wohl 40 Leute, die in den Berliner Uferstudios auf fünf Tänzer treffen. Man erklärt uns vorab schriftlich, dass wir die folgende Choreografie beeinflussen würden, falls sich unsereins an die Regeln hielte: Wir werden zählen. Sagt jemand «Eins», soll ein nächster Unbestimmter «Zwei» sagen. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass gleichzeitig zwei Personen «Zwei» sagen werden. In diesem Fall begännen der Tanz und das Zählen wieder von vorn. Die fünf Tänzer machen erst mal gute Figur, erzeugen mit jeder Zahl eine neue Konstellation.

Sie wiegen uns in Sicherheit, dass jede korrekte Zahl zu einer neuen Fünfer-Konstellation auf dem Tanzteppich führt. Bemerkenswert ist, wie respektvoll sich die Zuschauer konzentrieren, um beim Zählen fehlerfrei die Choreografie nach Kräften bis «Einhundert» fortzuschreiben. Als zwei Personen versehentlich die Zahl «Vierundvierzig» gleichzeitig rufen, geht ein Stöhnen durch die Menge. Wir beginnen wieder bei «Eins».

Das System scheint simpel. Die Regel sieht auch nicht nach Theater aus. Aber gesetzt, alles Theater handelt von Herrschaft und Unterwerfung, von Erfolg durch Folgsamkeit, dann machen derlei Theaterspiele die Mechanismen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 42
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
staatsgeheimnis

In Bayern hat, wenn man so will, alles einen doppelten Boden. Oder zumindest viel Interpretationsspielraum. So gehört es offiziell zu den Aufgaben des Kunstministers, den Intendanten eines staatlichen Theaters und den Direktor einer staatlichen Kunstsparte zu bestallen. Wolfgang Heubisch hatte, relativ neu im Amt, den Vertrag Ivan Liškas als Direktor des...

jón vallejo

Ein Spanier in Dresden: Der Tänzer Jón Vallejo gehört von Beginn an zur Kompanie von Aaron S. Watkin, die jetzt nach einigen verwirrenden Namensspielen «Semperoper Ballett Dresden» heißt. Rasch machte er dort auf sich aufmerksam. In der Gruppe, in kleineren Soloaufgaben, in den Choreografien von William Forsythe fiel er erstmals auf. Inzwischen hat er es auch...

gelsenkirchen: Bridget Breiner: «Schwanensee»

Um Tschaikowskys «Schwanensee» mit nur 14 Tänzern zu visualisieren, ohne dabei auf «klassische» Qualitäten zu verzichten, muss man sich schon was einfallen lassen. Aber Bridget Breiner hat in der kurzen Zeit ihres Gelsenkirchner Engagements nicht nur Prokofjews «Cinderella» so raffiniert ent«rußt», dass sie dafür sogar den Deutschen Theaterpreis «Der Faust»...