biographie: Régine Chopinot

Régine Chopinot

Tanz - Logo

1985 wurde die französische Choreografin berühmt, als sie mit Jean Paul Gaultier «Le défilé», eine kubistische Modenschau, als Satire herausbrachte; auch Gaultier wurde etwas berühmter, weil er seine Haute Couture über die Tanzszene zu etablieren begann (heute noch arbeitet er etwa mit Angelin Preljocaj). Damals galt diese Grenzüberschreitung als Befreiung und hatte viel Rückenwind in Frankreich, das vom Tanz wahre Heilkräfte für die Gesellschaft erwartete und die Avantgarde als Motor für Innovation verstand.

Ein Vierteljahrhundert später, klagt Régine Chopinot, Leiterin des Ballet Atlantique am Centre Chorégraphique in La Rochelle bis 2008, sei davon nichts mehr übrig: «Der Staat sagt, was Künstler zu tun haben, damit sie Subventionen erhalten, aber er glaubt nicht an sie.» 


Diese Einschätzung durchzieht eine ­brillant geschriebene Biografie von Annie Suquet (die auch auf Englisch erhältlich ist), weil sie sehr genau die Wechselwirkung von künstlerischer Produktivität und politischer Einflussnahme festhält – und damit nicht nur die Historie einer per se rebellischen Choreografin beschreibt, sondern zugleich den kulturkritischen Zeitgeist, wie er auch in Deutschland grassiert. 

 

 

 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2010
Rubrik: medien, Seite 61
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
nachruf: Elise Ralston

Sie hat sich gewünscht, dass der «Tanz immer mehr zu einer Kunst werden kann, die menschliche Größe befördert». Und dass er «nicht vornehmlich geistige Armut erzeugt durch Überbewertung mechanischen Trainings und engstirniges, leistungsbezogenes Denken». Mit unerschöpflicher Energie widmete sich Elise Ribeiro Ralston ihrer Kunst, mehr als zwanzig Jahre lang an der...

sidi larbi cherkaoui

«Babels-Träume» heißt das Porträt des lerngierigsten, arbeitswütigsten, rastlosesten Choreografen der Gegenwart. Don Kent und Christian Dumais-Lvowski sind ihm mit der Kamera gefolgt, haben seine Wurzeln in Hoboken gesucht, einem Vorort von Antwerpen. Hier zog die Familie mehrmals um, in der Schule trug er die Kleidung seines älteren Bruders auf. Der Vater hatte...

interview: Akram Khan

Ihre aktuelle Produktion «Vertical Road» verweist auf eine Art Jakobsleiter zu Engeln, Göttern oder Gott. Sorgen Sie sich um unsere spirituelle Verfassung?
Viele Menschen glauben nur noch an das Horizontale. Sie erledigen so vieles mit Routine, wie Roboter. Was fehlt, ist eine Bedeutung, ein Glaube, Vertrauen. Auch in der östlichen Welt prallen das Vertikale und...