zürich: Thomas Hauert «Il Giornale della Necropoli»

Tanz - Logo

Thomas Hauert arbeitet mit dem Zürcher Ballett. Eigentlich eine gute Nachricht – und ein mutiger Entschluss von Ballettdirektor Heinz Spoerli. Kurz davor hatte Hauert in Zürich «You’ve changed» mit seiner Kompanie ZOO gezeigt – bei Weitem nicht sein bestes Stück. Nun musste er die klassischen Tänzer am Opernhaus mit seiner Improvisationstechnik vertraut machen – Improvisieren sind diese nicht gewohnt. Und dann sein Stück neben Jiří Kyliáns magischen «Falling Angels» und Heinz Spoerlis schneller und harter Choreografie «Le sacre du printemps» präsentieren.



Wie würde Hauert da wirken? Er hat sich stets Glanz und Gloria im Tanz mit sprödem Charme hartnäckig widersetzt. So auch in «You’ve changed». Den Plüschanzügen aus seiner letzten Arbeit gleichen nun die Schlabber-Overalls, in die Thierry Rondenet und Hervé Yvrenogeau die eleganten Züricher Tänzer gesteckt haben. Dazu kommt, dass die Komposition «Il giornale della necropoli» von Salvatore Sciarrino, die dem Stück den Titel gibt, weniger zugänglich ist als Steve Reichs «Drumming» und Igor Strawinskys «Sacre». Es ist Musik für eine Stadt von Toten, und diese Toten sind, laut Aussage des Komponisten, wir. Ein Akkordeon auf der Bühne ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2010
Rubrik: kalender, Seite 45
von Lilo Weber

Vergriffen
Weitere Beiträge
berlin: pi morphosen

Nur was für Neugierige: «Der Raum gebiert die Mathematik. Aus der Mathematik entsteht Leben. Das Leben gefriert in der Kunst.» Jo Fabians neues Projekt  «PI morphosen» liefert mit 16 Tänzern und drei Musikern den mathematischen Beweis, dass der Mensch ein Psychomat ist, ein beseelter Automat, eine Mensch-Maschine-Einheit bereits von Geburt an, weil er «ganz ähnlich...

ich erinnere mich

Henry Purcells Trauermarsch braust auf. In elegantem Schwarz betritt einer nach dem anderen die Bühne und geht auf den Hintergrund zu. Da stehen sie dann in einer Reihe, alle neun, mit dem Rücken zu uns, Raimund Hoghe hält die Mitte. Eine dunkle Phalanx vor der Schwärze des Hintergrunds, Besucher einer Beerdigung vielleicht, die Abschied nehmen, innehalten, die...

teil 2: improvisation / cut and paste / choreografie

Improvisation
Eine Arbeitsweise ist die Improvisation. Einigen gewährt sie in gewissen Fällen Freiheit: die Freiheit, sich von Impulsen und der Intelligenz des Augenblicks leiten zu lassen; die Freiheit, die richtigen Parameter für die Struktur dieses Moments zu finden, und zwar ohne ihn durch Formalien einzuschränken; die Freiheit also, die Arbeit am Tempo des...