zürich: Christian Spuck: «Anna Karenina»
Das Ballett beginnt Schwarz in Schwarz. In einem düsteren Salon versammeln sich die Gäste und trauern um Anna Karenina. Das mag der geneigte Ballett-Geher raten oder nicht. Wissen wird er es zum Schluss: wenn sich dieselbe Gesellschaft um die Tote versammelt. Der Anfang ist einer der wenigen Eingriffe Christian Spucks in die chronologische Abfolge der Ereignisse aus Lew Tolstois Roman. Martin Donner lässt aus dem Off Züge donnern. Das Leitmotiv vom Beginn des Romans führt auch durch Christian Spucks «Anna Karenina» mit dem Ballett Zürich.
Das ist einer der Fingerzeige, die gut gewählt sind und zum Verständnis beitragen. Aber, und da liegt das Problem dieser neuen Arbeit des Ballettchefs: Die Lesehilfe bewegt sich auf der Ebene der Inszenierung, nicht im Choreografischen.
So auch die erste Liebesszene zwischen Wronski und Anna Karenina. Sie ist im blutroten Kleid zu Betsys Salon erschienen, er hat lange auf sie gewartet. Nun gibt es kein Halten mehr. Die beiden reißen sich die Kleider vom Leib und wälzen sich am Boden. Man würde meinen, ein Choreograf wüsste derlei in Tanz zu fassen. Christian Spuck aber hat hier mit dem Holzhammer inszeniert. Dazu kommt Anschub aus dem ...
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Tanz Dezember 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 51
von Lilo Weber
Premieren von Constanza Macras zu visitieren, kam zuletzt häufig einer Strafexpedition gleich. Die Choreografin versank zusehends im urbanen Trash-Sumpf, der Sinti- und Roma-Stadl «Open for Everything» markierte 2012 den Tiefpunkt ihrer einst senkrecht gestarteten Karriere. Umso schöner, dass das im Festspielhaus Hellerau bei Dresden uraufgeführte Kriegsmemorial...
Sie sind natürlich auch an diesem Abend nicht vergessen: die zahllosen jungen Frauen, die sich in mehr als 100 Jahren schon als «Sacre du printemps» zu Tode getanzt haben. Die rasten, taumelten, stürzten, nackt und schweißüberströmt, zarte Menschenkörper, geopfert fürs höhere Ideal. Sie sind die spukhaften Referenz-Leiber in den Köpfen der Zuschauer – gerade weil...
Wenn ein Neugeborenes erschrickt, spreizt es die Arme weit, sperrt Mund und Augen auf, atmet ein und zieht sich dann, oft mit einem Schrei, eng zusammen. Affenbabys klammern sich schutzsuchend ans Fell der Mutter. Dieser sogenannte Moro-Reflex ist der erste Überlebensreflex. Er entsteht bereits in der zwölften Woche nach der Empfängnis und provoziert bei der Geburt...
