würzburg

anna vita «schneewittchen – breaking out»

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Schneewittchen ist ein nettes Mädchen. Sie umhegt ihren Vater im Rollstuhl. Sie ist auch ein bisschen dumm, kriegt aber am Ende einen hübschen Burschen ab. Interessanter ist natürlich die Bösewichtin des Stücks, die Stiefmutter. Launisch, kreativ, Chefin einer Model- und Modeagentur. Sie schult Nachwuchs, der sie nie toppen wird, denn sie ist ja die Schönste im ganzen Land. Das versichert ihr der auf den Vorhang ihres Palastportalchens projizierte Kopf: Er ist wasserstoffblond, mit kleinem maschinenhaftem Zucken im Hals.

Der Blick in den Spiegel wiederholt sich in dem Märchen bekanntlich, und die Art, wie in der Choreografie von Anna Vita am Mainfranken Theater Würzburg die gekränkte Eitle, Caroline Matthiessen, sich ihm immer vorsichtiger nähert, wie sie blinzelt, wütet, heult, zu Boden sinkt, sich zusammenrauft, ist prima Tanzschauspiel.

«Schneewittchen – Breaking out» ist ein ansehnliches Gutelaunestück, das nicht vorgibt,  bahnbrechend Neues aus der Story herauszuholen. Es schmeißt sich an das superpopuläre Model-Thema ran, aber das passt schon, wenn auch etwas flachsinnig, zur Schönheitsobsession. Dass Tänzerinnen eh die besten Models abgeben, könnte einen erschrecken, aber um ...

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Tanz Mai 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Melanie Suchy

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