wozu residenzen?
Einmal Kaiser sein und wie weiland Karl V. von Residenz zu Residenz ziehen, das ist heute das Schicksal hunderter Choreografen. Quer durch Europa wird logiert, geprobt und geforscht. Nur eins wird zunehmend verpönt: ein richtiges Stück zu entwickeln. Es gibt kaum eine Kommune, die keine Künstler aufnimmt, selbst 5-Sterne-Hotels bieten mittlerweile Logis und schmücken sich als «Kulturort». Aber wozu ist das gut, wenn gleichzeitig Gastspiele reduziert und Produktionskosten gesenkt werden? Nicht wenige Choreografen haben aus dem Residenzdasein ein regelrechtes Kunstkonzept gemacht.
«Man sehnt sich so danach», sagt Christine, «irgendwann in der Realität anzukommen.» Auf diese Realität wurde sie ihr Leben lang vorbereitet. Jetzt will sie auch mal in dem Leben ankommen, von der ihr die Schule, der Tanzunterricht und die Sommerferien immer erzählt haben. Sommers nahm sie Tanzkurse bei «ImPulsTanz» in Wien. In Frankfurt gab es ein «Sommerlabor mit richtigen Intellektuellen». Eigentlich wollte sie einfach in einer Kompanie tanzen. Ihren Koffer rollte sie von Audition zu Audition. Aber jeden Tag im Studio die Bewegungen zu wiederholen, die nicht ihre waren: Das war nicht mehr ihre Sache. ...
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Es ist das größte Tanzfest Europas, der gewaltigste Workshop-Auftrieb und ein Füllhorn der Entdeckungen. Gleich zu Beginn stellt Anne Juren in ihrem Solo «Magical» die keineswegs absurde Frage: Passen Zauberei und Feminismus zusammen? Das subversive Potenzial des illusionären Tricks und die täuschende Inszenierung des weiblichen Körpers haben mehr gemein als nur...
Es ist eine blutrünstige Story, die sich Christian Spuck vorgenommen hat. Sie erzählt, wie der machtversessene römische Kaiser Nero seine Frau Ottavia loswird und seine Kurtisane Poppea an ihrer Stelle zur Kaiserin krönt. Der designierte Leiter des Zürcher Balletts will nicht die von Claudio Monteverdi in seiner letzten Oper «L’incoronazione di Poppea» vertonte...
Vom 8. bis 17. Juli erkennt die vierzig Jahre alte Salzburger «Sommerszene» ihre Stadt als einen «Modernismusverweigerungshort», der außer Herbert von Karajan nicht einen Künstler hervorgebracht hat, der in die Stadt zurückwirkte. Wolfgang Amadeus Mozart floh, die anderen auch. Weil das so ist, werden die Theater jetzt umgewidmet und zu Orten für Ausstellungen,...
