Wie der Fußball aus dem Tanz entstand
Beim Fußball geht es nicht nur darum, dass das Runde ins Eckige gestoßen wird. Ohne die Welle «La Ola», ohne die Schmähgesänge und Triumphlieder der Fans, ohne Trommeln und Klatschen, ohne elegische Hymnen («You‘ll never walk alone») wäre der Fußball im Stadion eine ton- und trostlose Angelegenheit. Wo Stimmung herrscht, ist der Tanz nicht weit. Tatsächlich findet der, in der Regel nach dem gelungenen Torschuss, auf dem Spielfeld statt. Freudetrunkene Spieler drehen Jubel-Pirouetten und tanzen miteinander Ringelreihen.
Während der WM 1990 in Italien ist Kameruns Fußball-Held Roger Milla berühmt geworden für die «Tänzchen an der Eckfahne», mit denen er jedes seiner Tore feierte. Nach dem Endspielsieg bei der WM 2002 in Yokohama zelebrierten Brasiliens Spieler auf dem Fußballplatz ein Samba-Fest. Klar, dass in beiden Fällen natürlich auch den Fans die Tanzlust in die Glieder fuhr. Fußball scheint den Tanz herauszufordern, und so ist es wohl kein Wunder, dass Tanz und Fußball neuerdings auch auf der Bühne zueinander finden. Im Musical «African Footprint» werden Füße und Bälle zu Trommeln, und die Brasilianerin Deborah Colker macht in ihrer Choreografie «Maracanã» den Zuschauerraum zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Ich kann nicht anders», sagt der nackte Mann im roten Sessel. Sein Haupt ziert eine goldene Krone. Adam (Matthias Hartmann) hat den Thron der Männlichkeit bestiegen. Eva (Nancy Woo), deren Blick nicht nur die Sonnenbrille trübt, legt sich trotz ihrer Blöße auf den kalten Betonboden. Das Salzlager der ehemaligen Kokerei der Zeche Zollverein in Essen ist ein...
Afro war zu Zeiten von Martin Luther King und Apartheid der Lockenlook protestierender Nachkommen afrikanischer Sklaven, die, obwohl Kinder von Feldarbeitern, richtig gut tanzen konnten. Falls sie nicht Jimmi Hendrix hießen. Der Wahlwiener Bob Curtis (© Michael Winkelmann) ist einer von ihnen, der zufällig zum Tanz kam, es dann aber gleich an die streng weiße...
Niemand schaut in den Mond. Wenn das Ballett beginnt, sehen sich alle Beteiligten an. Keine Bewegung, nichts. Anna Polikarpova ist es, die als Erste den lähmenden Bann durchbricht. Langsam, unendlich langsam bückt sie sich und greift zu der Tasse, die auf dem Boden der Bühne steht – und wie vom Duft des Kaffees animiert, beginnen die «Nocturnes» zu tanzen – zaghaft...
