Warten auf Pina

Tanz - Logo

Josephine Ann Endicott ist die Frau mit dem Nilpferd. Die Anna II aus «Sieben Todsünden», die Liebende, die ihren Mann anfleht, «Komm tanz mit mir». Seit 1973 ist sie unabdingbarer Teil von Pina Bauschs Tanztheater. Startänzerin, persönliche Assistentin, Repertoire-Dozentin, seit Kurzem Archivarin – gelegentlich «Nestbeschmutzerin». Schon einmal hat Jo Ann Endicott am Mythos Bausch gerüttelt, hat in ihrem ersten Buch «Ich bin eine anständige Frau» über Verletzungen geschrieben, die die Zusammenarbeit mit der Ikone mit sich bringt.

Seitdem ist ihr Leben davon beherrscht: «Warten auf Pina», so der Titel von Endicotts autobiografischer Fortschreibung. Sie liebt sie. Hasst sie. Ihr Schreiben ist der Versuch, die Sphinx von Wuppertal zu enträtseln («Trinkt dünnen Kaffee. Nie habe ich sie schwitzen sehen.»).

Vergeblich. Selbsttherapie für die Hartnäckigste unter den Bausch-Protago-nistinnen, voller Unterhaltungswert. Schnoddrige Sprache, naiv anmutende Offenherzigkeit, extrem, zugleich ambivalent in ihren Gefühlen. «Mich kann man anfassen», schreibt sie und bietet Speckröllchen-Analysen und Altershys-terie («zu viel Haut für meinen Körper»). Kein Glamour keimt zwischen Familienkrise, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen
Weitere Beiträge
Das Bild und seine Geschichte

Nachtaufnahme: Sophiensæle in Berlin. Im Untergrund treffen sich die grass roots zum Fokus auf ihre Partikularinteressen. Hinter dem Namensschild Miriam Wolff sitzt die Vertreterin der Gewerkschaft. Verbandspolitik als Freizeitgestaltung nach Trainingsschluss? Vor ihr eine junge Choreografin auf der Stuhlkante. Konzentriert, als höre sie zum ersten Mal von ihrem...

Künstliche Körper

Die Schockwellen der Bankenkrise gehen unter die Haut. In den Metropolen zeigen sich erste Anzeichen ihrer Verwandlung in Tanz. In New York, London, Paris, wo ihn unsere Korrespondenten Sebastian Moll, Mike Dixon und Thomas Hahn aufspürten, hat er einen Namen: «Burlesque». Dieser Tanz erreicht nun Hamburg. Ein Laden namens Queen Calavera in St. Pauli zeigt als...

Ute Bühler

Das Chladek-System in drei Sätzen …                                                                         Rosalia Chladek (1905–1995) gilt als eine der bedeutendsten Wegbereiterinnen des Ausdruckstanzes. Sie tanzte, choreografierte und entwickelte ihre eigene Bewegungs- und Tanztechnik: das Chladek-System. Es basiert auf den anatomischen und physikalischen...