violet
Mal so richtig bedeutungslos sein – auch das kann ein Künstlertraum sein. Mal nichts anklagen, aussagen, bloßlegen. Abstraktion lautet darum das Ideal für Meg Stuarts neues Stück «Violet». Oder: engagierte Sinnlosigkeit. Das hyperaktive Nichts. Die pure Bewegung wird skelettiert, ohne Fleisch von Ausdruck und Erzählung. Ausgerechnet Meg Stuart. Ausgerechnet ihr Zitter-Zappel-Zuck-Stil als symbol-befreite Ausdruckslosigkeit? Krämpfe, Spasmen, Tics bis zum Kollaps als eine nun emotionslose Theorie? Ausweglos sein – das hat Meg Stuart besonders interessiert.
Eine meterhohe schwarze, leicht gebogene Plastikwand von Bühnenbildnerin Janina Audick begrenzt den Hintergrund. Die Wand glänzt wie Latex und spiegelt manchmal schemenhaft und verzerrt die Tänzerkörper. Vor ihr stehen drei Männer und zwei Frauen in Alltagsklamotten von erlesen schlechtem Geschmack: hautenge Hosen, verwaschene Shirts; einer trägt weiße Turnschuhe, ein bisschen wie die H&M-Punks aus dem Vorjahr. Ein bisschen ist es auch wie eine Reminiszenz an die Stuart’schen Anfänge, als sie mit cooler Trash-Ästhetik, mit dem Abgewrackten und Kaputten, neue Trends im zeitgenössischen Tanz setzte. «Disfigure Study» hieß vor ...
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Tanz August/September 2011
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Nicole Strecker
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Eigentlich nichts. Der einzige Unterschied ist, dass man heute Kürzungen im Budget oder unfaire Ausländersteuern in der Kompanie nicht mehr hinnimmt. Man macht den Mund auf. Vorher war noch der leiseste Protest ein Grund zur fristlosen Kündigung.
Vor der...
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