kairo: vicente ochoa perez
Sie gehören seit 2010 dem Kairoer Opernballett als Tänzer an. Was hat sich nach der Revolution geändert?
Eigentlich nichts. Der einzige Unterschied ist, dass man heute Kürzungen im Budget oder unfaire Ausländersteuern in der Kompanie nicht mehr hinnimmt. Man macht den Mund auf. Vorher war noch der leiseste Protest ein Grund zur fristlosen Kündigung.
Vor der ägyptischen Revolution galt das Opernballett als westliche Enklave. Hat sich das geändert?
Die Oper war immer ein exklusiver Ort in Kairo.
Vor der Revolution tanzten wir auch zu Privatempfängen von Banken vor den Pyramiden oder in der Oper vor Staatsgästen. Daran ist heute nicht zu denken. Jetzt, da es ums Überleben geht, sind es vor allem Regierungsmitglieder und Diplomaten. Im April brachten wir einen neuen «Schwanensee» heraus. Es war ein Erfolg, und er wird gut besucht.
Während der Revolution war das Haus geschlossen, und ausländische Tänzer wie Sie wurden nach Hause geschickt.
Während der Revolution war es wirklich besser, nach Hause zu fahren. Ich dachte, dies wäre das Ende, denn wenn so etwas Einschneidendes passiert, verliert immer zuerst die Kultur. Zumal die Oper jede Menge Verbindungen zu Mubarak besaß.
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Tanz August/September 2011
Rubrik: menschen, Seite 58
von Justine Bayod Espoz
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