Viel Lob
Vor der Tanzvorstellung gibt es, allseits beliebt, das Ein-führungsgespräch. Mit verhaltener Anteilnahme lauschen meist ältere Zuschauer im Seitenfoyer den lobenden Ausführungen der Dramaturgie oder Abendspielleitung, um zu erfahren, worum- es bei der folgenden Darbietung gehen wird. Zu diesem Format, wie es genannt wird, also anekdotenreichen, witzigen oder auch drögen Einführungen, gesellt sich gern das Publikumsgespräch. Es findet nach der Vorstellung statt. Hier lässt man sich die tieferen Absichten der Künstler nahebringen.
Man lobt die Befragten vor dem verbliebenen und darum wohlmeinenden Publikum: Wie schön das alles war! Die jüngste Variante dieser viel gelobten Kommunikation zwischen Zuschauer- und Künstlerschaft ist das Expertengespräch.
Beiträge von Experten sind der neuste Schrei. Sie sorgen für «Relevanz-tanz». So lautet der stehende Begriff. Man darf sich das so vorstellen: Eine Choreografin, Colette Sadler in den Sophiensälen in Berlin, oder ein Künstlerpaar wie Malgven Gerbes und David Brandstätter in den dortigen Uferstudios, laden nach der Vorstellung zur Talk-Show. Da erzählt im Anschluss an Sadlers jüngstes Tanzopus das netzkritische Tactical Technology ...
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Tanz April 2019
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Arnd Wesemann
Kirchen aus den 1970er-Jahren sind in der Regel leicht zu erkennen: Betonbrutalismus in Quadrat- oder Quaderform, obendrauf ein Stahlkreuz, innendrin Holzbänke, Glasfenster und ein Altar, auf dem sich metallene Kandelaber, Bibellege und ein Kruzifix zusammenfinden. Genau an diese architektonische Kargheit erinnert das Bühnenbild, mit dem Eno Henze das «Requiem» in...
Patricia Neary ist auch mit 76 Jahren die weltweit gefragteste Lord-siegelbewahrerin des Œuvres von George Balanchine. Als ehemalige Balanchine-Ballerina und Botschafterin des Balanchine Trust kultiviert sie selbst noch in Trainingsklamotten – ihre sind ganz in Off-white gehalten – den althergebrachten Ballerinentypus: schön, elegant, u-nnahbar. Dank der...
Alles tanzt!
2015 kam der Nachlass von Rosalia Chladek ans neu gegründete Tanz-Archiv der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien – ein einzigartiger Fundus. Nun wird er zum Ausgangspunkt einer großen Schau im Theatermuseum, die der Tanzmoderne gewidmet ist, vor allem den Choreografinnen und Tänzerinnen, die im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts beherzt...
