Toula Limnaios: «Life is Perfect»
Ihre Eltern flohen vor der griechischen Diktatur nach Belgien. Die Tochter, die ihre eigene Spielstätte in Berlin betreibt, kehrt jetzt kurz zurück ins Land, das mit orthodoxer Beharrlichkeit sich weigert, Nackte auf der Bühne zu ertragen. Das Schlussbild in Toula Limnaois’ jüngstem Stück: ein Haufen sehr leiblicher Leiber vorn, ein Berg von Kleidern weiter hinten. Das Ende vom Lied. Tot ist tot. Und der Tod ist nackt, weil Menschen nicht immer in Würde sterben. Weil sie auch massenweise gestorben werden.
Dieses unvermittelte Ende macht wohl Sinn: Jeder Anfang vom Lied ist ein Atem.
Und wenn’s aus ist, gibt’s keine Luft mehr, die den Körper schützt, ihn lachen oder keuchen ließe. Darum muss bei Toula Limnaios andauernd und alles und in aller Form atmen. Sogar ein Stuhl. Die sich drauf Setzende, Lehnende, ihn auch mal Kopulierende entlockt seinen Kissen einen Atem, als sei's ein Bandoneon. Das kommt auch vor und haucht Geist ins Stück: Tango.
Zwei, drei klassische Schritte sind noch erkennbar, dann wird er kraftstrotzend ein Kampf von ständig Gleichstarken. Ein Paar stürzt sich mit verbundenen Augen aufeinander, sich nur an den Geräuschen der Schuhe findend, stößt die Beine in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jan Lauwers, renitenter belgischer Theaterchoreograf, wird mit 400 Seiten Buch geehrt.
NO BEAUTY FOR ME THERE WHERE HUMAN LIFE IS RARE heißt es. Das ist ein Zitat aus seinem Tanz um Camus’ Drama «Caligula» zur documenta X im Jahr 1997. Wie im Stück der Dichter Scipio dem römischen Diktator, antworten 28 Essayisten kritisch ihrem Wegbegleiter Jan Lauwers. Der liebt...
Der Goldfisch im Glas. Die Geste als Sprache. Das Wort als Klang. Der Körper im Raum – ausgestellt in Pose, Bewegung, Tanz. Seine Enthüllung, Maskierung, Deformation oder Vervielfältigung im Film. So zitieren sie ironisch aus dem Performance-Einmaleins, die ersten Abgänger von Gabriele Kleins MA-Studiengang Performance Studies an der Universität Hamburg bei der...
Ein williger Nachfolger für Daniela Kurz ist gefunden: Goyo Montero, der zur Spielzeit 2008/09 am Staatstheater Nürnberg die Ballettleitung übernimmt. In Madrid geboren und in Spanien wie in Kuba von namhaften Lehrern ausgebildet, ist er in Deutschland kein Unbekannter. Montero tanzte als Solist am Leipziger Ballett, in Wiesbaden und zuletzt während der Direktion...
