Thomas Whitehead als Wirt Roddy und Natalia Osipova als Letty Mason in «The Wind» von Arthur Pita
The Wind
In Großbritannien gibt es plötzlich eine kleine, wichtige Diskussion darüber, ob die Kunstform Ballett der Gleichberechtigung nicht schwer hinterherläuft. Anlass sind – neue! – Stücke des Royal Ballet, in denen Frauen verniedlicht werden oder ihnen Gewalt angetan wird. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war «The Wind» von Arthur Pita, in dem die zentrale Szene eine Vergewaltigung ist. Es folgte auf ein Stück von Kenneth McMillan, in dem die zentrale Szene eine Vergewaltigung ist.
Nun war es nicht allein Arthur Pitas Idee, ein solches Stück auf die Bühne zu stemmen. Die Vorlage seines im Rahmen der Triple Bill «Untouchable/The Illustrated ‹Farewell›/The Wind» uraufgeführten Balletts datiert aus dem Jahr 1925, es handelt sich um die gleichnamige Novelle einer Frau: Dorothy Scarborough schrieb die zunächst anonym veröffentlichte Geschichte einer gewissen Letty Mason, die in der öden Wüste von Texas sexuellen Terror durch einen Viehhändler erleidet, ihn tötet und darauf dem Wahnsinn verfällt. Heute würde man eine solche Story weit eher unter dem Kapitel weiblicher Emanzipation rubrizieren oder wenigstens als einschlägiges Plädoyer betrachten.
Konstruierte Frauenfiguren
...Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 15
von Sylvia Staude
Fürsorge
Kohlenmonoxid riecht nicht. Und Alexander Pepelyaev, ein Grande des zeitgenössischen Tanzes in Moskau, hat ganz sicher nie am Bolschoi choreografiert. Solche Fehler sind Nebensache, denn dieser Roman will vor allem provozieren: Eine 35-jährige Exballerina, die in Berlin an der Staatlichen Ballettschule unterrichtet, hat seitenweise Sex mit ihrem 16-jährigen...
Was bitte passiert eigentlich in «Schwanensee»? Wie kommt «Giselle» ins Grab? Und wer tummelt sich da im Königreich der Schatten von «La Bayadère»? Wer auf die Schnelle wissen will, was ihn im Theater erwartet, der greift für gewöhnlich zum Ballettführer oder klickt im Netz Wikipedia an. Dass sich aus den oft seltsam verschlungenen Inhalten auch sehr unterhaltsame...
Abschied: Glen Tuggle
Als Glen beim Frankfurt Ballett tanzte, kannte ich ihn noch gar nicht. Mit den Ballets de Monte-Carlo, deren Kompaniechef ich 1993 wurde, arbeitete er erstmals zusammen, nachdem Jean-Yves Esquerre ihn eingeladen hatte, William Forsythes «In the Middle, Somewhat Elevated» einzustudieren. Das war 1989. Auf meinen Vorschlag hin studierte Glen...
