tanzendes antlitz
Vielleicht ist es so gewesen: «Rodin erfasste mit einem Blick ihren gedrungenen Körper von der etwas unbeholfen aufgesteckten Takashimada-Frisur bis zu den in weißen Strümpfen und Chiyoda-Sandalen steckenden Füßen und drückte ihre kleine feste Hand.»
Irgendetwas an dieser Frau, die da plötzlich in seinem Atelier steht, ist faszinierend. Der Bildhauer wendet sich an den Dolmetscher: «Mademoiselle kennt doch meinen Beruf? Ob sie sich wohl auszieht?» Die Frau willigt ein. Rodin zückt den Stift.
Es vergehen zehn, zwanzig Minuten, die Frau bewegt sich durch den Raum, hält hin und wieder inne, der Stift saust über das Papier. Was er festhält, gerinnt zu zarten Linien: ein angewinkeltes Bein, ein Ausfallschritt, ein seitlicher Sitz mit aufgestützten Armen. Nichts Spektakuläres. Und doch lobt der Künstler anschließend: «Mademoiselle hat einen wirklich schönen Körper. Sie hat gar kein Fett und die Muskeln sind einzeln sichtbar. Wie die Muskeln bei Foxterriern. Da sie starke, stämmige Beine hat, sind die Gelenke genauso groß wie die Hände und Füße.» Was dieses Modell vermag, gebietet Respekt: «Sie ist so kräftig gebaut, dass sie beliebig lange auf einem Bein stehen und dabei das ...
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Tanz August/September 2016
Rubrik: Traditionen, Seite 59
von Dorion Weickmann
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