Tangomanie
Jordi Moragues Massanet hat sich davongemacht. Im April vergangenen Jahres vertauschte der Spanier das frohsinnige Köln mit dem derzeit eher trübsinnigen Athen. Wieso? Vielleicht weil er dort ideale Bedingungen für seine Profession findet: Wirtschaft vor dem k.o., Finanzen im freien Fall, Politik im Dauerkrisen-Modus, galoppierende Schwindsucht der Gehälter, zugleich Steuerabstinenz der Tankermagnaten, kurzum: eine so gebeutelte wie geteilte Gesellschaft im Umbruch. So sehen es die Jungbürger, denen Massanet in seiner Eigenschaft als Tango-Lehrer begegnet.
Kürzlich gab er dem britischen «Guar-dian» Auskunft über seine Schülerschaft: «Hier besitzen die Leute eine natürliche Sinnlichkeit, und genau darum geht es bei diesem Tanz.» Und genau darum hat er, als er vor ziemlich exakt einhundert Jahren die Metropolen Europas erreichte, eine Art Kulturkampf ausgelöst: Melancholisch verschmelzende Paare, aparte Verschlingungen, erotisches Timbre – all das schlug in der Alten Welt ein wie ein Teufelsblitz in allerjungfräulichste Erde. Zumindest schrien die Tugendwächter Zeter und Mordio ob der «Tango-Epidemie», die sich von Paris aus über den Kontinent verbreitete. So wie heute rund um Piräus ...
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Tanz Januar 2016
Rubrik: Traditionen, Seite 52
von Dorion Weickmann
Berührungsängste gibt es in Leipzig jedenfalls nicht. Wenn in der Pause das Märchenpersonal der Gebrüder Grimm ausschwärmt ins Publikum, gehen selbst die kleinsten Zuschauer auf Tuchfühlung, und auch unter den größeren gibt es welche, die sich liebend gerne einmal ablichten lassen mit Hänsel und Gretel.
Beide machen auf der Bühne den Anfang, kaum dass Michael Sens...
Julyen Hamilton, Sie sind Tänzer, Choreograf und Dichter und haben sich die spontanste Form unter den Künsten zum Beruf gemacht. Mit Ihrer Improvisations-Methode reisen Sie seit 40 Jahren um die Welt.
Tatsächlich ist es so, dass ich gar keine Methode entwickelt habe. Ich habe lediglich meine Interessen praktiziert und verfeinert, als Performer und...
Nelisiwe Xaba stammt aus Soweto nahe Johannesburg in Südafrika. Vor einem Jahr war sie zu Gast im Schwarzwald. So wie sonst Europäer zu den rot gewandeten Massai nach Kenia reisen, erlebte Xaba hier, wie alemannische Ureinwohner schreckliche Stammestänze zelebrierten, die sie «Fasnet» nennen. Sie erlebte den Mummenschanz und sah grausig tanzende Masken. In den...
