«Sylphides» von Cecilia Bengolea und François Chaignaud

Tanz - Logo

Drei große, dunkle, luftgefüllte Säcke stolpern auf die Bühne. Eine Helferin mit diabolischem Lidschlag wirft eine Saugpumpe an. Die Luft wird immer weniger in den Säcken. Die anthrazitfarbenen Hüllen schmiegen sich an die menschlichen Konturen, die endlos lange liegen bleiben. Fast ersticken wir mit ihnen. Kein Mucks. Kein anderer Tanz löst so intensive physische Empathie aus. Nur ein wenig heben und senken sich die Oberkörper. Sie leben noch. Aber wirken sie deshalb menschlich? Wie bedrohlich man die Skulpturen auch empfindet: Sie rühren an.


Mühsam stehen sie wie von den Toten auf. Langsam entwickeln sich fremdartige Körperformen. Immer verwinkelter werden die Kontorsionen. Die Helferin kehrt zurück und lädt die Aliens, nun wieder steif wie Bronzen, auf einen Wagen. Der Ausflug ins Reich des Todes hat ein Nachspiel. Als die Atemluft sich endlich Platz verschafft und François Chaignauds blonde Locken das Tageslicht erblicken, gleicht er mehr denn je einem androgynen Engel. Mehr Luftgeist geht gar nicht. Befreit hüpfen sie wie Ballerinen beim Aufwärmen, zu schmalziger Musik, frisch wie ein Windhauch.
Als Bengolea und Chaignaud diesen ihren finalen Tanz der Schmetterlinge auf dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Report, Seite 104
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Martin Schläpfer

Diesem Anfang wohnt wahrlich ein Zauber inne: Wenn Martin Schläpfer zur neuen Spielzeit die Ballettdirektion der Deutschen Oper am Rhein übernimmt, verbinden sich mit seiner Person Hoffnung auf ästhetische Neuerung und internationale Wieder-Beachtung. Sicher, sein Vorgänger Youri Vàmos hat in den vergangenen 13 Jahren das Haus gefüllt und sein Pub-likum erfreut....

James Forbat

Das English National Ballet hat soeben seinen besten Tänzer, einen ultimativen premier danseur noble, von der Gehaltsliste streichen müssen: Thomas Edur wurde zum künstlerischen Leiter des Nationalopernballetts von Estland in Tallinn ernannt. Mit solch großen Tänzern aus aller Welt konnte sich das English National Ballet schon immer rühmen, aber jetzt wächst eine...

Der Dutt

wird zuweilen auch Balanchine-Dutt genannt. Praktisch ist er, weil die langen Haare überaus ordentlich zusammengebunden und einwärts gesteckt beim Tanzen nicht stören. Aber ist der Dutt nicht etwas ganz besonders Altmodisches? Ihr Faible für etwas so Praktisches haben Ballerinen gegen jede Mode verteidigt und tragen den Dutt manchmal auch so stolz wie eine Krone.

D...