Stuttgart: Nina Kurzeja «Ida Herion»
Im Oktober blühte der freie Tanz in Stuttgart für einige Abende so lebendig wie lange nicht mehr. Die in Dresden an der Palucca-Schule ausgebildete Choreografin Nina Kurzeja erinnerte mit ihrer spartenübergreifenden Produktion «Ida Herion – Trace Back Session» an die 1920er-Jahre, als der kunstsinnige Unternehmer Ernst von Sieglin den Schülerinnen und Schülern der Ausdruckstanz-Schule von Ida Herion (1876-1959) seinen Weißenburgpark als Freiluftbühne und Fotokulisse zur Verfügung stellte.
In einem halbstündigen Parcours verwandelte sich zunächst die Grünanlage mit dem Teehaus-Rundtempel auf der Anhöhe in einen durch Videoprojektionen, Rezitationen und Lichtakzente aus der Zeit gehobenen Schauplatz. Das bewegte Bild von Tänzerinnen huschte über Wiesen und Mauern, ungreifbar und flüchtig wie Elfenwesen. Auf Schritt und Tritt begegnete das Publikum einem fast vergessenen Kapitel lokaler Tanzgeschichte und erhielt eine Ahnung von der lebensreformerischen Euphorie, mit der seinerzeit die freie Bewegung in Licht und Luft als zukunftsweisende Errungenschaft gefeiert wurde. Im Marmorsaal setzte sich der Abend mit leibhaftigen Tänzern fort, denen Roderik Vanderstraeten live erzeugte ...
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Tanz Dezember 2015
Rubrik: Kalender, Seite 36
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