sternstunden
Adolphe Binder und Aurélie Dupont, designierte Leiterinnen des Wuppertaler Tanztheaters resp. des Pariser Opernballetts (Seite 32 und 24), sind die Ausnahme. Aufs Ganze gesehen, gehört den Frauen bekanntlich weder die Hälfte des Kunsthimmels noch die Hälfte des irdischen Beritts. Quotierungskampagnen haben daran bislang so wenig geändert wie die Entdeckung, Vermessung und typografische Ausweisung des gender gap. Neuerdings fällt dessen Kennzeichnung besonders putzig aus. Wo einst der Unterstrich resp.
ein großes «I» demonstrierten, dass beispielsweise Tänzer_innen und ChoreografInnen mit der Berufsbezeichnung «Tänzer» und «Choreograf» ausschließlich, wie es fachbegrifflich heißt, «generisch maskulin» erfasst werden, prangt nun ein schnucklig gezacktes Symbol. Ein Zeichen, so recht dazu angetan, die fortschreitende Infantilisierung der Gesellschaft zu beglaubigen: Wer außer ABC-Schützen kommt auf die Idee, seine Wortgebilde mit niedlichen Sternchen zu garnieren? Die Astro-Artefakte aber haben in Windeseile Karriere gemacht und das offiziöse Terrain von Pressemitteilung, amtlichem Statement, Ausschreibung erobert. Mehr noch: Auch die journalistische Zunft wird zu «gendersensibler» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz März 2016
Rubrik: Editorial, Seite 3
von Dorion Weickmann
biografien: claire bauroff
Noch während des Ersten Weltkriegs debütierten insbesondere in München, Berlin und Wien zahlreiche Tänzerinnen. Zunächst von dem noch unbestimmten Wunsch beseelt, ihr Inneres nach außen zu tragen, wussten viele von ihnen nicht, wohin der Weg sie führen würde. Etliche wechselten auch das Genre, wandten sich kabarettistischen Formaten zu...
entlastung: martin schläpfer
Für ihn ist es ein Befreiungsschlag: Das Ballett am Rhein wird ab September von einer Doppelspitze geleitet. Martin Schläpfer (rechts auf dem
Foto) stellt sich und seiner gefeierten Top-Truppe den bisherigen Ko-Direktor Remus Şucheană zur Seite. Er soll nun die Position des Ballettdirektors übernehmen, Schläpfer wird als Künstlerischer...
Glück war Dmitri Schostakowitsch bei Stalins Parteiobrigkeit mit seinen drei sowjetischen Balletten nicht beschieden: Alle wurden sie im Zuge der Formalismus-Anwürfe nach 1936 verboten. Hatte «Das goldene Zeitalter» fast zwei Dutzend Reprisen, kam «Der Bolzen» nicht über die Premiere hinaus; «Der helle Bach» wurde von der «Prawda» gar als «Ballett-Betrug»...
