Paris on tour: Mette Ingvartsen «Moving in concert»
Nein, diesmal geht es der dänischen Choreografin nicht um Pornografie, nicht um die Furcht vor Sexualität, die ihre pornografische Erfüllung in der Inszenierung von Sexualität finden will. Ihr geht es in diesem Stück darum, sich «konzertant zu bewegen», um die Betrachtung des Einflusses der Technik auf den Menschen.
Wir alle folgen «konzertant» bestimmten Regeln, die die Technik uns nahebringt: Wir suchen in fremden Räumen nach Lichtschaltern, achten auf der Straße auf Ampeln, drücken ohne Unterlass Knöpfe – und glauben sogar, wir müssten auf Knopfdruck und auf jeden Hinweis reagieren. Diese Vorstellung, dass Technik und Verhalten einander bedingen, legte vor Jahren die Philosophin Catherine Malabou nahe. Sie untersuchte die Fähigkeit des Hirns, sich plastisch, elastisch der Umwelt anzupassen. Das Hirn lernt immerzu Regeln, die von außen als Zeichen einwirken. Es reflektiert diese aber nicht abstrakt als Zeichen, die sie eigentlich sind, sondern als Regeln für ein Verhalten, das nicht infrage zu stellen ist. Wir glauben, dass ein Lichtschalter funktioniert. Wir glauben, bei Rot anhalten zu müssen. Und wir glauben den Medien, weil sie, in ihrer Totalität von Lichtzeichen, mit uns ...
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Tanz November 2019
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Arnd Wesemann
«Mach doch was mit Tanz», hatte seine Mutter gesagt. Und da Mark Christoph Klee gerade nichts Besseres einfiel, bewarb er sich in Amsterdam an der University of the Arts – und wurde genommen. 1993 im beschaulichen Neumünster geboren, hatte er als Jugendlicher viel getanzt, vor allem Hip-Hop. Ab 2012 studierte er Modern Theatre Dance in Holland, eine Dringlichkeit...
60 Jahre NDT: Kunstkamer
Diese «Kunstkamer» hat tausend Türen, und hinter jeder kommt ein Stück Choreografie zum Vorschein, das ganz eigen ist – denn immerhin handelt es sich um die Jubiläumsproduktion zum 60-jährigen Bestehen des Nederlands Dans Theater. NDT-Chef Paul Lightfoot hat sich dafür den «Thesaurus» von Albert Seba (1665 – 1736) zum Vorbild genommen:...
Wir machen einen Sprung, dreißig Jahre zurück, ins Jahr 1989: Die DDR wackelt, die Situation ist zunehmend angespannt. Sie sind als Tänzer in Leipzig beziehungsweise Gera engagiert. Wie ist Ihre persönliche Lage?
Mario S.: Ich hatte Reiseverbot für das westliche Ausland, obwohl es Angebote für eine Europatournee mit meinem Soloprogramm gab. Wenn die Leipziger...
