Wilde Zeiten

Die Geschwister Silvana und Mario Schröder sind ehemalige Bürger der DDR – und beide Ballettdirektoren. Wie haben sie 1989 den Mauerfall erlebt? Wie sehen sie die Vergangenheit, wie die Zukunft Deutschlands? Gefragt hat Torsten Ibs

Tanz - Logo

Wir machen einen Sprung, dreißig Jahre zurück, ins Jahr 1989: Die DDR wackelt, die Situation ist zunehmend angespannt. Sie sind als Tänzer in Leipzig beziehungsweise Gera engagiert. Wie ist Ihre persönliche Lage? 
Mario S.: Ich hatte Reiseverbot für das westliche Ausland, obwohl es Angebote für eine Europatournee mit meinem Soloprogramm gab. Wenn die Leipziger Kompanie reiste, etwa nach Spanien oder in die damalige BRD, wurde ich ausgetauscht. Einmal ist mein Ersatz allerdings direkt in der BRD geblieben.

Dabei wäre es mir selbst gar nicht eingefallen, das Land zu verlassen, zu flüchten und meine Familie und Freunde zurückzulassen.

Haben Sie sich an den Demos in Leipzig beteiligt?
Mario S.: Ja, und schon bei den ersten Demonstrationen, zu denen ich ging – lange vor Oktober 1989 – war es manchmal gefährlich. Ich erinnere eine Situation an der Nikolaikirche, als die Polizei die Leute sporadisch, aber auch ganz gezielt aus der Menge herausgriff. Meine größte Sorge war, dass ich zu spät zur «Dornröschen»-Probe in den Ballettsaal komme. Plötzlich sind alle Demonstranten panisch auseinandergerannt. Ich lief in Richtung Opernhaus, als unmittelbar hinter mir ein Zivilauto hielt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 50
von Torsten Ibs

Weitere Beiträge
Verrat der Bilder: Augmented Reality

Unter all den Begriffen aus Digitalien klingt «Augmented Reality» besonders verlockend. Gemeint ist eine erweiterte Wirklichkeit. Man stelle sich vor, in einem Theater mit einer Brille auf der Nase zu sitzen, wie sie derzeit etwa Microsoft als «HoloLens» entwickelt, um sowohl die reale Bühne als auch – sozusagen vor dem inneren Auge – zusätzliche Informationen zu...

Reise ins Unbekannte

«Giselle» ist der romantische Klassiker schlechthin: Winzermädchen verliebt sich in Adligen, erkennt seinen Betrug, stirbt des Wahnsinns und spukt fortan durch ein Geisterreich untoter Frauen – bis es schlussendlich den Galan vor der tödlichen Gefahr durch die Zombies bewahrt. So weit in aller Kürze die Handlung des 1841 in Paris uraufgeführten Zweiakters, der...

Impressum 11/2019

tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance

Herausgeber 
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion  
Sofie Goblirsch, Hartmut Regitz, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung), Arnd Wesemann
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin 
Tel +49 (0)-30-254495-20, Fax -12 
redaktion@tanz-zeitschrift.de
www.tanz-zeitschrift.de

Gestaltung & Bildredaktion 
Marina Dafova

Anzei...