newcomer: Nele Suisalu

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Der verschobene Mund, die schief gezogene Schnute – ihr Bild ist eines der markantesten, das für das Berliner Fes­tival «Tanz im August» warb: Es gehört der in Frankreich lebenden Estin Nele Suisalu, eine von sechs Choreografen des portugiesisch-deutsch-französischen Förderprogamms «Looping». Fördern heißt hier nicht fordern, sondern staunen: über Nele Suisalus Solo «Home (Lessness) Sickness».

Die 29-jährige Schülerin von Xavier Le Roy und Mathilde Monnier bewegt sich als Mummenschanz, verwickelt in Kleidungsstücke, derer sie sich entledigt in verschlafener Trance, Shirts und Hosen ständig anders um den Leib schnürt, innehält, sich mit rauer Stimme selbst als Engel besingt, gespiegelt in einem silbernen Heliumkissen, vor dem sie geschminkt ein Gedanke an 1944 überfällt: Estland, Rückkehr des Großvaters aus der Evakuierung. Aus zwei Lautsprechern stimmen U-Bahn-Musi­ker ein «Ave Maria» an. Nele Suisalu verharrt, springt, schließt ihre Augen, das Licht verlischt. Es ist: ein Halbschlafstück. Unlogisch, unkomponiert, unmöglich. Wie «der Schlaf», sagt Nele Suisalu: «Er ist ein Zuhause, das wir nicht verlassen, vermieten oder verkaufen können.» Der Schlaf ist ortlos, der Schlaf ist der ...

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Tanz Oktober 2010
Rubrik: menschen, Seite 32
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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