Neu: Master-Macher – Tadeusz Matacz in Stuttgart
Ein gefährliches Wort. Als «Master-Macher» mag sich Tadeusz Matacz nicht bezeichnen. Stattdessen verweist er mit einer Geste auf ein Foto auf dem Boden seines Büros, das in dem verwinkelten Schulgebäude noch keinen Platz gefunden hat. «Er machte keine Master», sagt der Direktor der Stuttgarter John-Cranko-Schule, und meint damit Petr Antonovich Pestov. Aber der inzwischen verstorbene Kollege war für ihn ein Genie, mehr noch: der «letzte, wahre Meister. So jemand lässt sich heute nicht mehr erleben.»
Matacz weiß, wovon er spricht.
Er selbst, in Warschau aufgewachsen und dort zunächst als Tänzer ausgebildet, verdankt sein pädagogisches Rüstzeug in erster Linie Leonid Zhdanov, wie Pestov an der Moskauer Bolshoi-Ballettschule seinerzeit einer der ganz Großen – auch er ein «Meister», der seine Novizen nicht einfach Mores lehrte, sondern sie – wie William von Baskerville in Umberto Ecos Roman «Der Name der Rose» – in die Geheimnisse seiner Kunst einzuführen wusste. «Stundenlang haben wir über den Tanz und die Tänzer debattieren können», erinnert sich Matacz, der seines «analytischen Auges» wegen, wie er sagt, mit der Zeit zu Zhdanovs Assistenten aufstieg.
Dieses Wissen kommt ihm heute an ...
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Tanz April 2014
Rubrik: praxis, Seite 70
von Hartmut Regitz
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