Nach Cranko

in Stuttgart

Tanz - Logo

Noch bevor das Ballett richtig beginnt, stellt Christian Spuck klar, was er mit seinem «Sandmann» will: keine «Coppélia» à la Cranko, sondern Hoffmanns Erzählung, zur Gänze getanzt. Wie im literarischen Original sieht sich Nathanael mit seiner Kindheit konfrontiert. Und diese Fixierung auf die frühe Jugend ist es letztlich, die sein weiteres Los bestimmt. Er kommt aus ihr nicht frei. Wie eine Wahnvorstellung bricht immer wieder die Erinnerung über ihn herein.

Ängste steigen hoch, Albträume, Assoziationen – und vor Schreck erstarrt erlebt er als kleiner Junge, am elterlichen Tisch sitzend, visionär eine verletzende Vergangenheit.
Eine Szene, wie einer Zeichnung Kafkas nachempfunden. Spuck schiebt sie als Rückblende ein und macht so «Das Unheimliche» manifest, von dem Sigmund Freud in Anlehnung an das Nachtstück von E. T. A. Hoffmann im gleichnamigen Aufsatz spricht. Gleichzeitig schafft er sich die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Bewusstseinsebenen virtuos hin- und herzuschalten und erzeugt so eine Wechselspannung, die das Ballett elektrisiert: Voller Hoffnung an der Seite seiner schönen Verlobten, verliert sich Natha­nael wieder in der eigenen Kindheit: Denn wer ist dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2006
Rubrik: on stage, Seite 35
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kuss der Kulturen

Den Traditionalisten wird es wie ein Sakrileg erscheinen. «Sarab», die neue, im tanzhaus nrw uraufgeführte Choreografie von Montse Sánchez für Increpación Danza aus Barcelona, verzichtet auf alles, was zum Flamenco gehört: Gitarren, Life-Gesang, fast sogar auf das Stakkato stampfender Tritte. Aus den Lautsprechern dringt bei den 1993 gegründeten Erneuerern des...

Pretty, please, could you dance for me

Bevor Marcia Breuer diese Frage stellen kann, muss man erst einmal Platz schaffen für eins der «bewegendsten» Bücher der letzten Zeit. Ganze dreizehn Meter lang ist das Leporello. Schlägt man allein die 53 Außenseiten des Buchs auf, stößt man auf Aussagen von Reid Anderson, Bridget Breiner, Robert Conn, Eric Gauthier, Marco Goecke, Yseult Lendvai, Christian Spuck –...

Dresden: Im Glashaus

Mehr Platz und mehr Licht zum Tanzen haben die insgesamt 200 Studenten der Palucca Schule Dresden. Anfang April wurde ein 1270 m2 großer Neubau mit neun Tanzsälen und einem Internat für 50 Tanzschüler übergeben. Dieser schmiegt sich an den wie ein U geschwungenen Altbau der Schule und erhebt sich an der Stelle, wo einst fünf Tanzsäle aus DDR-Zeiten standen....