münchen: Terence Kohler: «Helden»
Helden sehen anders aus. Zum Schluss haben denn auch die beiden Titanen das Nachsehen, die sich zwei Akte lang gleichsam in den Haaren liegen. Allein Athena Parthenos triumphiert, während sich ein blau-weiß aufschimmerndes Kabelknäuel wie ein futuristisches Sonnengeflecht auf die Bühne senkt.
Das tut es auch am Anfang, kaum dass das Allegro aus dem «Concerto Grosso Nr. 3» von Alfred Schnittke erklingt und damit eine Musik, die alles andere als Festigkeit signalisiert. Die Töne sind aus dem Lot, und die Klangkonturen scheinen zu verschwimmen.
Das hätte einem «Helden» wie Prometheus eigentlich zu denken geben müssen. Doch Lukás Slavicky tanzt «schön riefenstahl-muskulös», wie Manuel Brug trefflich beschreibt, mit vielen Sprüngen und einer Spannung, als könnten ihm die göttlichen Mächte nichts anhaben. Tatsächlich bringt er den Menschen das Licht. Von LED-Lampen an ihren Armen bestrahlt, scheint es, als trügen sie ein Feuer in ihren Händen.
Erleuchtet sind sie davon allerdings nicht. Immer wieder winden sie sich am Boden. Gäbe es nicht zwischendurch eine Lehrstunde, für die sich rosalie fluoreszierende Segel-Skulpturen hat einfallen lassen, täten sie’s wahrscheinlich noch heute. Viel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Hartmut Regitz
2011 hat das verheerende Erdbeben von Fukushima einmal mehr die enorme Kraft von Naturgewalten demonstriert, die sich jeder menschlichen Kontrolle entziehen und Künstler immer wieder zu einer Bestandsaufnahme ihres Schaffens zwingen. Unter der gelassenen Oberfläche des Alltagslebens in Japan schwelen derweil Furcht und Sorge: Zwei Jahre immerhin sind ins Land...
Zuerst war’s das Planking. Der Körper liegt mit dem Gesicht nach unten tiefenentspannt auf einem Biertresen, auf Rolltreppen oder – bei strammer Bauchmuskulatur – auch mal quer zwischen zwei Supermarktregalen. Danach kam Tebowing: Die einbeinig kniende Variante von Rodins «Denker»-Skulptur, die den ganzen Kopf in die Hand stützt – diese geradezu ins Heilige...
Es ist ein Gefühl wie zwischen Speed-Dating und Tanzcafé. Der Blick der Frau mittleren Alters mit grauem Wuschelkopf gleitet über die Gesichter der Neuankömmlinge im Eingangsbereich. Bei mir bleibt er haften. Sie ist höflich: «Ich freue mich, dass Sie da sind. Darf ich Ihnen eine Geschichte erzählen?» Sie führt mich an ihren Platz, zwei leere Stühle ohne Tisch. Der...
