liebe tänzer des staatsballetts berlin,
vielen Dank für Ihre Nachricht, die mich am Tag vor der Wiederaufnahme meines Balletts «Nijinsky» in Hamburg erreichte. Selbstverständlich habe ich – in der Presse – die Neuigkeiten und Diskussionen verfolgt, die Sie nach der Bekanntgabe einer neuen Intendanz für Ihre Kompanie begleitet haben.
Ihre Situation zu kommentieren, bringt mich aber in eine heikle und äußerst schwierige Lage. Ohne diese politische Entscheidung zu kritisieren, möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass diese Entscheidung für mich äußerst überraschend kommt.
Obwohl eine Doppel-intendanz angekündigt ist, legt der weitaus bekanntere Name des Direktoren-Teams, Sasha Waltz, es nahe, dass die Ausrichtung und der prägende kreative Schwerpunkt der Leitung im Bereich des Tanztheaters liegen werden, während das klassische Ballett, in Waltz‘ Worten, in die Abteilung «Alte Meister» eingeordnet wird.
Johannes Öhman ist weniger bekannt, und das gilt auch für seine Absichten. Soweit ich weiß, setzt er in seiner Arbeit beim Königlich-Schwedischen Ballett vorzugsweise auf zeitgenössische Interpretationen des klassischen Repertoires – wie zum Beispiel bei der international erfolgreichen Kreation des Balletts «Julia & Romeo» ...
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Tanz November 2016
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von John Neumeier
Ein paar Stiefel stehen auf der Bühne, mutterseelenallein im offenen Raum. Bis ein Mann hereinkommt, barfüßig. Langsam gleitet das weiße Tuch, das er auf den Armen trägt, zu Boden. Als müsse es unsichtbare Leichen bedecken oder einen Altar. Etwas Scheues, zugleich verhalten Kampfeslustiges geht von dem Mann aus, als er in die schwarzen Schuhe steigt und anfängt,...
biografie
jean weidt
Einmal mehr stellt dieser Band über den Tänzer und Choreografen Jean Weidt (1904-1988) dessen Leben in den Kontext des 20. Jahrhunderts. Nele Lipp hat die beiden seinerzeit in Ost-Berlin unter Weidts Aufsicht erschienenen Autobiografien als Grundlage benutzt, ist aber über diese hinausgegangen. Sie hat viel verloren geglaubtes Material – Fotos,...
Der kleine, bärtige Dymitry Szypura lacht schallend ins Mikrofon: «Isn‘t it beautiful to die? I just love it!» Der Mann weiß, wovon er spricht. Eine gefühlte halbe Stunde war er tot – jedenfalls hat er es seinen Partner glauben gemacht. Hat sich von ihm wie eine Schlenkerpuppe bewegen lassen zu einem tragikomischen Totentanz. «Stop it!», hat Janis Heldmann ihn...
