«déplacement»
Ein paar Stiefel stehen auf der Bühne, mutterseelenallein im offenen Raum. Bis ein Mann hereinkommt, barfüßig. Langsam gleitet das weiße Tuch, das er auf den Armen trägt, zu Boden. Als müsse es unsichtbare Leichen bedecken oder einen Altar. Etwas Scheues, zugleich verhalten Kampfeslustiges geht von dem Mann aus, als er in die schwarzen Schuhe steigt und anfängt, die immer gleichen Schritte zu markieren.
Erst sind es nur Andeutungen, dann wird daraus ein Stampfen, Schreiten, Exekutieren, Marschieren, ein Hocktanz – schließlich schnellt die Hand an die Schläfe, zum militärischen Gruß. Tanz ist ein «dual use»-Instrument, er lässt sich friedlich einsetzen im Sinn menschlicher Verständigung und Selbstverständigung. Aber ebenso kann er als Werkzeug der Unterdrückung herhalten, als folkloristische Fassade eines Unrechtsregimes. Selten hat jemand den zweischneidigen Charakter des Tanzes so auf den Punkt gebracht wie der Choreograf Mithkal Alzghair mit seiner vom Solo zum Trio sich weitenden Dabke-Variation «Déplacement». Beim Berliner Festival «Tanz im August» gehörte die knapp einstündige Performance zu den eindrücklichsten Aufführungen, weil sie mit minimalem Aufwand maximale Wirkung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2016
Rubrik: Menschen, Seite 23
von Dorion Weickmann
Nir Arieli, welche Idee liegt Ihrer «Flocks»-Serie zugrunde? In «Flocks» bin ich der Frage nachgegangen, was in den Körpern von Tänzern übrig bleibt, wenn der Tanz geendet hat. Wenn die Bewegung den Körper verlassen hat, der performative Akt erschöpft ist und nur noch die Möglichkeit von Bewegung unter der Oberfläche zurückbleibt. Was den Titel «Flocks» betrifft:...
Wo andere Choreografen sich nach 30 Jahren gerne wiederholen, da dringt Brigitta Luisa Merki immer tiefer ins Innere ihrer Kunst vor. In jedem neuen Programm mit ihrem Ensemble Flamencos en route setzt die Schweizerin den Flamenco in ein anderes Licht – hier leuchtet er in den dunklen Farben der spanischen Barockmalerei aus der Nacht heraus. Nach tanztheatralischen...
Choreografieren allein reicht ihm nicht.
Angelin Preljocaj stellt zeitgleich mit der Premiere seines neuen Stücks «La Fresque» einen abendfüllenden Spielfilm vor: «Polina, danser sa vie». Das Szenario basiert auf der Graphic Novel von Bastien Vivès (tanz 11/11), erweitert aber dessen psychologisch-atmosphärischen Ansatz zu einer richtigen Biografie. Valérie Müller...
