leipzig: Meryl Tankard: «Cinderella»

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1946. Sergei Prokofjew schreibt die «Cinderella»-Musik. In der Sowjetunion ist der Krieg vorbei, der Terror beginnt. Im Märchenballett erwählt der Prinz die unterdrückte Arbeiterin. Stalin, wie er sich selbst sah. Meryl Tankards Cinderella muss heute zum Shoppen fliegen, Economy. Ihre Stiefschwestern lassen sich Champagner in der First Class einschenken – der perfekte, auf Neid basierende Konsumterror.

Aber sind wir nicht alle ein bisschen Stalin? Süchtig nach dieser Ungerechtigkeit, um uns in den Stand der Unschuld zurückzukatapultieren? Der Filmkünstler Régis Lansac jedenfalls betrachtet in seinen Bühnenprojektionen die Welt aus der Sicht eines Kindes, später entzücken seine Muster unberührter Natur. Wovon Cinderella träumt, sind tanzende Feen und Falter. Ihre Stiefschwestern Urania Lobo Garcia und Federica Vincifori müssen dagegen erst Tanzunterricht nehmen bei Robert Phillips und ihre Eitelkeit trainieren für den Prinzenball.

Es ist das bekannte Märchen. Der Prinz tanzt mit Aschenputtel. Um Mitternacht ist sie verschwunden und nur ein Schuh geblieben, einer von Hunderten auf der Bühne. Nur er konnte keinen Schuh verlieren. Der Prinz tanzt barfuß, Tomáš Ottych, dessen asiatisch ...

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Tanz Dezember 2011
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Arnd Wesemann

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