Laurent Chétouanes «Bildbeschreibung»
Es gibt am Theater Künstler, die werden nicht gefeiert, sondern leise zelebriert, weil es ihre bienenfleißige Melancholie stören könnte, geriete der Applaus zu kräftig. Ein «Theater der Enthaltsamkeit» hat man das genannt, was der verehrte Regisseur Laurent Chétouane hier treibt: ein «Theater der Entbehrungen» wäre richtiger.
Man nehme nur genügend willige Zuschauer, den aufrichtig deklamierenden Tänzer Frank James Willens und Heiner Müllers «Bildbeschreibung», schließe für zwei Stunden die Tür und überlasse den Meg-Stuart-Performer seiner selbst, stecke ihm ein Stück Kreide in die Hose, stelle ihm ein Schild mit der Aufschrift «himmel» auf den weißen Tanzboden und versperre ihm nicht den Zugang zu seinem Publikum, wo er sich mal die Hand eines Erstbänklers an seine Kehle legt oder mit seinen Schultern den Putz von der Wand schabt.
Müllers «Bildbeschreibung»: ein Text, der minuziös ein Bild freilegt, indem er nie über seine
Machart, immer über das Sichtbare spekuliert und sofort Mord und Totschlag vermutet, wo das Bild seine Deutung versagt. Bei Frank James Willens, dem Kalifornier in Berlin, der für Tomi Paasonen und Felix Ruckert tanzte, verselbstständigen sich am Anfang ...
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Here we go again, Tanztheater. In Gregor Zölligs neuer Choreografie «Vier Jahrezeiten» tragen die Tänzer wieder mal Unterwäsche, legen ihre Gesichter in Blumenerde, oder kuscheln sich zu zweit in ikeabunt bezogene Decken (wohnst du noch, oder performst du schon?). Der Frühling ist voller Gefühle, der Sommer voller Hitze, der Herbst melancholisch und der Winter...
hieß im alten deutschen Westen eine Sendung, die das Neue gegen den Evergreen in Schutz nehmen wollte. Damit die Jugend einen Weg an der Musikindustrie vorbei fand. Umso lieber landete sie in ihren Armen. In Ostberlin entdeckte das Haus der jungen Talente, das heutige Podewils’sche Palais, die Jazzszene und junge DDR-Fotografen. Gewiss bedeckte dieses Feigenblatt...
Endlich einmal ein Bühnenbildner, der Farbe bekennt. Auf Einladung der Tribune de Genève hat Paul Cox eine Ausgabe gestaltet, und pünktlich zur Ballettpremiere im Bâtiment des Forces Motrices vor anderthalb Jahren erschien das Blatt wie ausgewechselt: kein einziges Bild. Stattdessen Buntheit, wohin man blickt, und eine Zeitung, die ihren Spaß hat an seiner...
