Im Geisterhaus
Garderobe, unten «Wenn ich nach Hause komme, zieh ich meinen Mantel und meine Schuhe aus. Dann sehe ich in der Garderobe zuerst das Ölbild von Marie Camargo, eine der berühmtesten Tänzerinnen des 18. Jahrhunderts. Es ist leider nicht das Original von Nicolas Lancret, aber eine schöne Kopie aus dem 18. Jahrhundert. Ich freue mich, wenn ich sie sehe. Camargo war nicht nur schön, sondern eine sehr kreative Künstlerin ihrer Zeit.
Dann dreh ich mich um zum Plakat von ‹Le Spectre de la rose›, 1911 entworfen von Jean Cocteau, und bin sofort in der Zeit der Ballets Russes und einem ihrer Höhepunkte. Ich geh daran vorbei, weiter an einer Reihe von Zeichnungen von George Barbier entlang. Es sind eigentlich die Originalzeichnungen für eine Kunstmappe über Tamara Karsavina, die Hauptpartnerin von Nijinsky. Ich kenne diese Zeichnungen gut und freue mich immer, sie auf meiner linken Seite zu sehen.
Auf der rechten Seite ist eine Wand mit Zeichnungen von Sergei Diaghilev. Manchmal bleibe ich stehen, voller Bewunderung für diesen widersprüchlichen Mann, der in Karikaturen fast komisch dargestellt wurde. Ich verstehe seine Schwierigkeiten gut, nicht nur die finanziellen, eine Kompanie über zwanzig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In der Nationalbibliothek von Paris suche ich Bildmaterial für eine Veröffentlichung über die Ballets Russes. Aus einer Plastikhülle nehme ich eine Fotografie von Vaslav Nijinsky, die den Tänzer im Kostüm von «Le Spectre de la rose» zeigt. Auf seinem Haupt befindet sich die berühmte mit Rosenblättern übersäte, von Léon Bakst erfundene Kopfbedeckung. Dieses Foto –...
Alle kreativen Köpfe definieren sich gern als universelle Allround-Künstler, damit sie selbstbestimmt aus einem Warenkorb der Künste wählen können – mal Paella, mal Salat, mal ein Steak. Oder eben wie einst der Mimos in der Antike – mal Schauspiel, mal Tanz, mal Gesang. Kann man nicht mit allem brillieren, ohne gleich als Da Vinci, das Universalgenie, zu gelten?...
Seine zwei neuen Stücke orgeln gewaltig. In «O Domina Nostra» zuckt katholische Passionspracht durch die Finger des polnischen Komponisten Henryk Górecki; in «Cobalto» zanken sich ein komponierender Philosoph, Pedro Alcalde, und ein richtiger Barceloneser Avantgardist aus dem Stall von Marcel.lí Antúnez, Sergio Caballero, um sämtliche Register und Pfeifen der...
