Ich habe Stallgeruch

Mit Gert Weigelt erhält erstmals ein Fotograf den «Deutschen Tanzpreis» – ein ehemaliger Tänzer, der das Image des Tanzes in der Öffentlichkeit wesentlich mitbestimmt hat. Wie und warum erzählt er im Gespräch mit Arnd Wesemann

Tanz - Logo

Wir treffen uns in Köln in einem Künstler-Café. Gert Weigelt hat einen Tisch gleich unter einer riesigen Ausstellungswand erobert. Nach und nach zieht er Kataloge aus seiner Ledertasche. Der kleine Kaffeehaustisch wird immer kleiner. Seine Fotografien, alle in Schwarz-weiß, kontrastieren offensiv und provozierend mit den Bildern an der Wand über uns. Die Weigelt keines Blickes würdigt.

 

Gert Weigelt, die Zeit, in der all die hier in den Katalogen abgebildeten Arbeiten entstanden sind, die 1990er-Jahre – das war, verglichen mit heute, offenbar eine eher schamlose und sehr körperbegeisterte Ära. Schamlos würde ich nicht sagen. Wir hatten schon so unsere moralischen Grenzen. Gerade auch in der Fotografie. Damals, als ich noch zur Schule ging, sah ich die Fotoarbeiten von Siegfried Enkelmann, der zu seiner Zeit die Tanzszene fotografisch beherrschte. Wer im Tanz etwas zu sagen hatte, kam in sein Atelier und ließ sich von ihm fotografieren. Diese Fotos haben mich immer angetörnt und meinen Wunsch, Tänzer zu werden, sehr befeuert. Seine Fotos zeigten die Noblesse des Tanzes, sie waren klassisch.

Diese Fotografien hier sind es irgendwie auch ... Klassisch? Dass man das heute so sieht, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2019
Rubrik: Menschen, Seite 30
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Der wilde Mann

Diese Bilder, sie bleiben einem für immer im Kopf: Der Alte mit der Pickelhaube, der zu Mahlers «O Mensch» mit der Kreissäge Babypuppen zersägt; das brennende Herrensakko im Schrank und bald darauf der Kopf einer jungen Frau in der Gasbackröhre; die Blutpumpe an blendendweißen Wänden, dann das blutige Gekröse, das ein Priester in vollem Ornat aus schwappenden...

Vertragspanne: Remus Sucheană

Kopfschütteln über die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg: Remus Şucheană, Ballettdirektor unter dem künstlerischen Gesamtleiter Martin Schläpfer, ist durch eine Indiskretion aus dem Aufsichtsrat des Hauses in die Schlagzeilen geraten. Von einer «teuren Vertragspanne» ist die Rede, Schläpfers vorzeitiger Abgang 2020/21 an die Wiener Staatsoper habe ein...

Ehrungen: Schweizer Tanzpreise

In Spanien geboren, in Genf ansässig – und angenehm aufsässig, was die Tanzkunst angeht: Maria Ribot alias La Ribot bekommt den «Schweizer Grand Prix Tanz 2019». Wie es aus der Jury hieß, verbinde die Tänzerin und Choreografin in ihren Stücken «politische Aussage» mit «Frische, Humor und Ironie», und das seit über 30 Jahren. Dafür wird sie just auch mit einer...