halleluja
Schräg bohrt sich das Licht durch die dunkle Bühne und gibt den Blick frei auf eine Gruppe von fünf Männern, die rhythmisch ihren Oberkörper vor- und zurückbeugen. Tranceartig tanzen sie ihr Gebet so, wie sie es jeden Tag in der Synagoge tun, voll Hingabe und mit geschlossenen Augen einen heiligen Text murmelnd. Der Unterschied zwischen einem Gebet und seiner Darstellung auf der Bühne ist für sie gleich null.
Eine religiöse jüdische Gruppe – mit allen Insignien wie langen schwarzen Löckchen und obligatem Unterrock ausgestattet – galt bislang auf der Tanzbühne als so undenkbar wie ein katholischer Priester, der in voller Montur am Balletttraining teilnimmt. Bis jetzt. Das Ensemble Ka’et («Jetzt») ist mit seinen frommen Männern angetreten, um Tanzgeschichte zu schreiben. Mit glänzenden Augen reden sie über ihre von Rabbis unterstützte Gründung der Tanzkompanie, aber es widerstrebt ihnen, dem rechten, orthodoxen Flügel zugeordnet zu werden. Nein, sie fühlen sich keiner politischen Richtung nah, auch wenn mindestens einer von ihnen der Meinung ist, dass Tänzer in Tel Aviv alle homosexuell und linksorientiert seien, «weil das so Mode ist».
«Road Number 1» heißt ihr erstes Stück, ...
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Tanz Mai 2011
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Ora Brafman
Als Fabien Prioville bei der letztjährigen Tanzplattform sein erstes abendfüllendes Stück zeigte, «Jailbreak Mind», gingen die Meinungen auseinander. Im besten Fall diskutierte man, wie man sich heutzutage mit Mitteln des Tanzes plus Video und Sound einem Thema widmen kann, das weit außerhalb des Tanzes liegt: so etwas Gewalttätiges, Siege verheißendes wie ein...
Was ist zeitgenössischer Tanz? Wie funktioniert er? Vor einem Jahr legte der Journalist Philippe Noisette ein farbenfrohes Werk vor, «Danse contemporaine, mode d’emploi», das diese Frage brillant beantwortet.
Jetzt wird sie bei ihm, mit Erscheinen der englischen Übersetzung, noch einmal gestellt. Dabei musste auf dem Cover die Preljocaj-Szene einer akademischen...
...liebt das Publikum. Deshalb setzt er es nicht auf harte Stühle, er legt es in «You are here» ins Bett, fein säuberlich getrennt von den Nachbarn, die hinter einer Sperrholzwand ihr eigenes Refugium haben. Im Berliner Gasometer senkt sich eine gewaltige Spiegeldecke über das Publikum. Man ist allein mit sich, seinem Blick und den Botschaften der Performer, die...
