Geduldsproben
Okay, die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt auch für ein Interview mit Benjamin Millepied. Zweimal hat er den Termin verschoben. Sicher ist nur, dass er an diesem Abend die Vlaamse Opera in Antwerpen betreten wird, um mit «Bach Studies» seine neueste Choreografie aus der Taufe zu heben. Zwei Tage vorher, bei der Generalprobe, war er noch allerbester Stimmung.
Thronte in der Mittelloge des ersten Rangs, unterhielt sich angeregt mit dem Ballettmeister, zeterte «Bullshit», als das Orchester recht geräuschvoll den ohnehin schon störend illuminierten Graben verließ, krittelte an dem einen oder anderen Kostüm aus dem Hause Ermenegildo Zegna herum – und ließ sich doch die Laune nicht verderben. Die tags darauf angesetzten Journalistengespräche scheinen ihm aber zu später Stunde das Gemüt verdunkelt zu haben. Der Pressemann der Vlaamse Opera – ein Herr von bewundernswerter Geduld! – übermittelt Storno No 1: «Treffen einen Tag später,- 6 p.m.» Also zwei Stunden vor der Premiere? Wenn das mal gutgeht. Folgt Storno No 2: Aus 18 Uhr soll 19 Uhr werden – genau sechzig Minuten, bevor der Vorhang hochgeht?! «Bitte nicht, das wird zu knapp.» Der Journalistin steht der Angstschweiß auf der Stirn. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2019
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Dorion Weickmann
Seit er 1976 mit «Einstein on the Beach» eine choreografische Oper schuf, in der Lucinda Childs als Tänzerin auftrumpfte, gilt Robert Wilson als Avantgardist und Revolutionär des Schauspiels. Die Aura, die den 77-Jährigen umgibt, gleicht der einer Pina Bausch oder eines Maurice Béjart. Dabei hat sich Wilsons Stil seit Jahrzehnten kaum verändert: Seine gestochen...
«Ihr Werk erinnert an die saubere Schmutzigkeit eines Neugeborenen oder von Sex, von etwas Innerem, das immer noch ein Mysterium birgt und ist.» Diesen schönen Satz sagt der portugiesische Dramatiker Luís Mário Lopes gegen Ende eines Gesprächs mit der Schriftstellerin Dulce Maria Cardoso über Mónica Calles Arbeiten. Cardoso fügt an: «Melodie und Muskel.» Und Lopes:...
Screening
Draw the line
«Wir ziehen Grenzen, um sie, wie die meisten Künstler, zu übertreten», sagt -Richard Siegal im Porträt seiner Kompanie Ballet of Difference, kurz: BOD, sprich Bee-Oh-Dee, was ähnlich klingt wie: Beauty. Benedict Mirows Film, der zum Münchner «Dok.fest» im Mai herauskam, fragt: Wie verträgt sich der konservative Begriff Ballett mit dem...
