Ein Brief aus Jerez

Kersten Knipp über das Flamenco-Festival

Tanz - Logo

Nein, das ist es noch nicht. Die Tänzerin steht zu weit vorn. Ein paar Schritte weiter nach hinten, korrigiert der Choreograf Javier Latorre, derzeit der wohl bekannteste Flamencoregisseur. Und von dort dann nach vorn, mit Kraft in die Drehung, die sich in sanftem Schwung auflöst. Zurück, ein neuer Versuch, dann ist der Meister zufrieden. «¡Eso es!», «Das ist es!», ruft er aus den Publikumsrängen und wendet sich der nächsten Szene zu. Die Zeit drängt: Kurz vor sieben ist es schon, in nicht einmal zwei Stunden werden die ersten Zuschauer in den Saal strömen. «Triana.

En el nombre de la Rosa» heißt seine jüngste Produktion, eine Hommage an jene Gruppe, die Spanien in den frühen 1970er Jahren den Sound der neuen Zeit bescherte. Flamencorock, das war Hoffnung auf neue Zeiten, die im Herbst 1975, nach dem Tod General Francos, denn auch endgültig anbrachen. Grund genug, die Gruppe mit einer eigenständigen Produktion zu ehren. Doch Latorre enthielt sich allzu direkter Ehrerbietung. In locker verbundenen Bildern kam seine Hommage daher – und war darin typisch für die meisten der dieses Jahr präsentierten Arbeiten. Der Flamenco sei eine hinreichende Kunst, er müsse nicht auch noch die Last ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2005
Rubrik: On Stage, Seite 55
von Kersten Knipp

Vergriffen
Weitere Beiträge
Stichprobe: Iztok Kovac und En-Knap

Wie geht es eigentlich Iztok Kovac? Und seiner slowenischen Kompanie En-Knap? Was macht der Ingenieur heute, der zu tanzen begann, weil er so verliebt war in ein Mädchen, dass er in die damalige jugoslawische Nationalmannschaft für Gesellschaftstanz eintrat? Der während des Kriegs im flämischen Belgien das Vorbild für Slove­nijas Tanz­szene fand und 1993 nach...

Köln: Hommage à Robert Cohan

Die Tanzstudenten der Musikhochschule Köln haben einen prominenten «Patenonkel»: den Choreografen Robert Cohan, langjähriger Leiter des London Contemporary Dance Theatre. Und der ist spendabel: Seit der Neugründung des Studiengangs Tanz 1997, als das Institut für Bühnentanz im Fachbereich 3 der Staatlichen Hochschule für Musik Köln aufging, hat er den rund 60...

Carolyn Carlson nach Roubaix

«I’m not ballet», sagt Carolyn Carlson. Drum ändert sie auch den Namen des Ballet du Nord. Zwei Jahre, nachdem in Roubaix Maryse Delente von ihren Tänzern geschasst wurde, wissen die damals Streikenden nun endlich, was ihnen die Zukunft bringt: eine europäische Dance Fabric. Fabric = Fasern. Carlsons Wortspiel zielt auf einstige industrielle Größe. In der...