eigenwilligkeit
ist im Tanz eine zweischneidige Sache. Auf der Bühne wird sie beklatscht, doch kaum geht der Vorhang runter, sollen Tänzer reibungslos funktionieren. Nichts verlangen, nichts einfordern, sondern brav zum Training erscheinen und Dienstpläne einhalten. Eine, die mit dieser Routine ebenso frühzeitig wie rabiat gebrochen hat, sagt derzeit: «Adieu». Mit Sylvie Guillem verabschiedet sich eine Jahrhundertballerina vom Publikum – und ein role model (Seite 16). Selbst- und sendungsbewusst hat die 50-Jährige ihre Karriere verfolgt, eigene Pläne und eigenwillige Allianzen geschmiedet.
Und vorgemacht, dass die Autonomie des Künstlers die Autonomie der Kunst hervorbringt. Sylvie Guillem war eine virtuose, charismatische Tänzerin – und ein kritischer Geist, eine emanzipierte Freibeuterin im Spitzenschuh.
Was Seltenheitswert hat in einer Sparte, die ihrerseits regelmäßig bevormundet wird: von Theaterdirektoren, Opern- und Generalintendanten, die den Tanz zum Nebenschauplatz degradieren. Einmischungen dieser Art verbittet sich die Vizedirektorin des Bayerischen Staatsballetts, Bettina Wagner-Bergelt (Seite 64): Der Tanz soll sich endlich selbst regieren, statt um Premierentermine, Orchester- und ...
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Tanz Mai 2015
Rubrik: editorial, Seite 1
von tanz-Redaktion
newcomer
léonore baulac
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